Herzlich willkommen

Hervorgehoben

Es ist tatsächlich vollbracht, zumindest die ersten Artikel sind schon mal online.  Ich werde sie, sowie es meine Zeit erlaubt nach und nach ergänzen und freue mich auf eure Kommentare, Anregungen und Kritik.

Bitte lest unbedingt auch die Seite „Vorwort“ auf der ich zusammengefasst habe, um was es hier geht.  Ansonsten gibt es vielleicht auch hier weitere Informationen und interessantes zu entdecken.

Es ist vollbracht – Obedience-Trainingstipps incl. neuer Prüfungsordnung jetzt auch als Buch

Es hat etwas gedauert, aber jetzt ist es da. Mein Obedience-Buch mit zahlreichen Trainingstipps und der neuen Prüfungsordnung, erschienen beim Kosmos-Verlag.

Im Buch findet ihr neben den Tipps auf dieser Seite auch eine Menge neues, vor allem ist alles viel besser bebildert und ausführlicher beschrieben.

Es gibt Kapitel zu jeder Obedience-Klasse in der die einzelnen Übungen beschrieben werden. Darüber hinaus findet ihr aber auch ein Grundlagen-Kapitel mit grundlegenden Übungen und wie sie trainiert werden können. Sowie Kapitel zu speziellen Problemen und wie ihr sie abstellen könnt. Alles natürlich wie auch diese Seite nur „Vorschläge“ keine Vorschriften.

Obedience-Buch-2016

  • Autor: Helma Spona
  • Verlag: Franckh Kosmos Verlag
  • Seiten: 192
  • Preis: ab 22,99 (Kindle-Version)
  • ISBN-10: 3440151433

 

Nachfolgend der Link zu Amazon, für die, die es vielleicht bestellen möchten.

 

Schicken in den Kreis

Ab der Prüfungsordnung 2016 müssen Hunde in Klasse 3 für die Box nicht mehr zu einem Pylon geschickt werden, sondern nur noch in einen Kreis, dessen Mitte markiert werden kann, aber nicht muss. Wenn er markiert wird, dann darf dort nur eine kleine Markierung vorhanden sind, ausdrücklich keine Halbschale.

Hinweis

Beim Richtungsapport bleibt die Halbschale jedoch erhalten.

Du musst deinem Hund jetzt also beibringen, ohne eine Halbschale gerade von dir wegzulaufen und ihn im Kreis stoppen.

Generell gibt es zwei Möglichkeiten das zu trainieren. Du machst es, ähnlich wie beim Gebrauchshundesport das „Voraus“ trainiert wird oder du trainierst es ähnlich wie die Box. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Training als „Voraus“ mit externem Ziel

Dazu legst du ein Ziel, bspw. einen Futterbeutel oder ein Spielzeug deutlich sichtbar für den Hund hinter den Kreis. Nun schickst du deinen Hund in den Kreis und er wird, Richtung ziel laufen. Anfangs lässt du ihn einfach bis zu seinem Ziel durchlaufen, später stoppst du ihn zwischendrin mal im Kreis. Dann musst du natürlich sicher stellen, dass er sich seine Belohnung nicht holen kann, wenn er durchläuft. Du brauchst also auf jeden Fall einen Helfer, der das Spielzeug oder den Futterbeutel blockiert, wenn dein Hund nicht stoppt.  Bei schnellen Hunden muss der Helfer auch entsprechend schnell sein, damit der Hund nicht ohne anzuhalten, trotzdem zu seiner Belohnung kommt.  Da hilft dann vielleicht die Belohnung weiter hinter den Kreis zu legen, dann bleibt dem  Helfer mehr Reaktionszeit.

Skizze der Übung: Hundeführer steht 10m vor dem Kreismittelpunkt und das Spielzeug ein paar Meter hinter dem Kreis.

Die Belohnung liegt hinter dem Kreis, so dass der Hund den Kreis durchqueren muss, um an sein Ziel zu kommen. Sie müssen Ihn dann trotz der Belohnung vor den Augen, im Kreis stoppen können.

Fraglich ist bei dieser Methode, was der Hund anläuft, wenn das Ziel fehlt? Auf der Prüfung liegt da nichts und anders als beim IPO-Sport ist die Laufrichtung des Hundes nicht durch die vorherige Laufrichtung des Teams vorgegeben. Manche Hunde werden sicher einfach nur zackig losdüsen und halbwegs deinem Blick folgen. Aber ich würde fast vermuten, die Masse der Hunde wird ohne sichtbares Ziel ratlos und wenig zielstrebig von dir weg laufen und sich umsehen, ob von dir etwas kommt. Bei den Hunden die schnell loslaufen, könnte es hingegen ein Problem mit dem Stoppen geben, denn wenn sie „denken“, da liegt ihr Ziel und richtig Tempo machen, wird es schwer sie im Kreis zu stoppen. Große Hunde mit langen Galoppsprüngen haben  den Kreis mit einem Satz übersprungen.

Tipp

Alternativ kannst du darüber nachdenken, dem Hund hinter den Kreis ein Bodentarget zu legen, statt einem Spielzeug. Du musst ihm dann nur beibringen, das Target liegt da und er soll zügig hinlaufen. Der Trieb dürfte weniger Stark sein als bei einem Spielzeug oder Futterbeutel, so dass du ihn besser stoppen kannst. Wenn er dann verstanden hat, dass er hinter den Kreis muss, bestätigst du ihn einfach nur dann, wenn er durch den Kreis zum Target läuft. Dann ist auf jeden Fall sichergestellt, dass er nicht am Kreis vorbei läuft und du auch eine Chance hast, ihn im Kreis zu stoppen. Wenn der Kreis dann gut sichtbar markiert ist, gibt der dem Hund eine Richtung vor, in der er das Target findet, das er ja auch die Entfernung beim Starten noch nicht sehen kann.

 

Training mit Kreis als Target

Der Kreis ist deutlich sichtbar zu markieren, mindestens mit 8 Markierungspunkten, die die Außenlinie kennzeichnen. Dies kannst du dir beim Training zunutze machen. Genauso wie dein Hund irgendwann mal gelernt hat, die Box am Boxband und den Pylonen zu erkennen, kann er auch lernen den Kreis zu erkennen und in die Mitte zu laufen.

Der Kreis mit Target in der Kreismitte

Der Kreis mit Target in der Kreismitte

Für den Anfang legst du ein Target in die Kreismitte und schickst ihn mit dem Kommando für den Kreis, gefolgt von dem Kommando für das Target, zum Target. Du belohnst ihn nur dann, wenn er am Target steht. Wenn der Hund irgendwann auf das Kommando für den Kreis schon losläuft, kannst du das Kommando für das Target weglassen.

Klappt das sicher und zuverlässig, kannst du hin- und wieder das Target weglassen. Wichtig ist, den Hund nur dann zu bestätigen, wenn er schön in der Kreismitte steht. Das Problem das Target abzubauen ist viel kleiner als mit der externen Belohnung, denn auch auf Prüfungen sind kleine Markierungen in der Kreismitte erlaubt. Dann findet der Hund auf der Prüfung auch ein „Target“. Allerdings soll der Hund gemäß Prüfungsordnung eben nicht die Kreismitte als Target anlaufen. Wenn du das so trainierst, sollte es dem Richter nicht auffallen. Das heißt dein Timing muss stimmen und der Hund darf nicht kurz vor dem Kreis schon das Tempo reduzieren.

Voraussetzungen bei beiden Methoden: Ein sichtbar markierter Kreis

Bei beiden Methoden ist ganz wichtig, dass Sie den Kreis für den Hund sichtbar markieren. Bei der ersten Methode wird es aufgrund des Triebziels hinter dem Kreis etwas länger dauern, bis der Hund den Kreis wahrnimmt, bei der zweiten Methode mit dem Target, geht es in der Regel schneller. Fraglich ist, wie man den Kreis markieren kann, ohne jede Übungsstunde den Platz mit neuen Farbmarkierungen zu versehen.

Es gibt Hundeführer, die über das Schiedsrichterspray aus dem Fußball nachdenken. Fraglich ist hier allerdings, ob es für den Hund nicht schädlich ist? Unbedenklich für den Rasen und biologisch abbaubar sagt ja noch nichts über die Giftigkeit für Hunde aus.  Alternativ könnten sie ähnlich wie ein Boxband auch ein Band in Kreisform auf dem Boden aufspannen. Das wird dann natürlich nie perfekt rund werden, aber ein Achteck ist völlig ausreichend. Der Hund muss ja nur erkennen können, da ist eine farbige Markierung in deren Mitte er laufen soll, bzw. durch die er durchlaufen soll um das Bodentarget zu finden.

Ein zwar achteckiger aber gut sichtbarer Kreis lässt sich mit einem Band aufspannen.

Die exakte Größe des Kreises spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass der Hund, wenn er im Kreis steht, eine Markierung um sich herum sieht, das hilft ihm dann zu erkennen, dass er richtig ist.

Tipp

Beherrscht der Hund schon das Laufen zur Halbschale für den Richtungsapport oder die alte Klasse 3, ist es hilfreich, wenn du den Hund vielleicht zunächst wie gewohnt zur Halbschale schickst, die nun im Kreis steht und dann  allmählich von der Halbschale zu einem flacheren Target und von da zu einem kleineren Target übergehst. Als flache Markierung die vermutlich sogar Prüfungsordnungskonform ist, kannst du bspw. Markierteller verwenden, die es in den gleichen Farben wie die Halbschalen gibt.

Solche flachen Markierteller können ersatzweise die Halbschale im Kreis ersetzen.

Solche flachen Markierteller können ersatzweise die Halbschale im Kreis ersetzen.

Ich persönlich würde mich für die Methode mit dem Target im Kreis entscheiden, weil sie der Prüfungssituation näher kommt und damit weniger Hilfen abgebaut werden müssen. Gerade für Hunde die schnell verwirrt sind, wenn in der Prüfung etwas nicht wie gewohnt läuft, ist das sinnvoll. Genauso auch für schnelle Hunde, die sich schwer tun innerhalb des doch recht kleinen Kreises zu stoppen, wenn sie nicht wissen, dass sie dort anhalten müssen.

Schicken um den Pylon (Beginner, Klasse 1) ab 2016

In der Prüfungsordnung ab 2016 gibt es eine neue Übung in der Beginner Klasse, und Klasse 1 sowie in Kombination mit anderen Elementen auch in Klasse 3. Wie die „Box“ zieht sie sich also durch alle Klassen und ist daher besonders wichtig.

Wer sich jetzt auf die Beginner-Klasse in 2016 vorbereitet wird damit wenig Probleme haben, denn die Grundlagen der Übung, das was in der Beginner-Klasse gefordert wird, ist schnell trainiert. Schwieriger wird es, wer jetzt schon Klasse 2 führt und in 2016 Klasse 3 starten möchte und in wenigen Monaten das aufholen muss, was Hunde die von vornherein nach der neuen PO aufgebaut werden über lange Zeit lernen.

Die Übung

Die Übung "Schicken um den Pylon"

Die Übung „Schicken um den Pylon“

Die Übung ist im Prinzip ganz einfach. Hundeführer und Hund beginnen in Grundstellung. Auf 10m Entfernung steht ein 40 cm Pylon. Der Hundeführer schickt den Hund nun, den Pylon zu umrunden. Auf dem Rückweg muss der Hund vorsitzen oder direkt in die Grundstellung kommen.

Der Abstand zwischen HF/Hund und Pylon beträgt in Klasse 1 und Beginner jeweils 10m. Später in Klasse 3 sind es 20m. Der Pylon sollte ca. 40cm hoch sein und sich so optisch deutlich von den Pylonen der Box unterscheiden. Eine Farbe ist nicht vorgeschrieben.

Nach den mir derzeitig vorliegenden Informationen muss der Hund den Pylon nicht besonders „eng“ umrunden und es gibt auch keinen Abzug, wenn der Hund den Pylon beim Umrunden umkippt. Er muss ihn ab Klasse 3 aber wirklich umlaufen um überhaupt Punkte zu bekommen.

Hinweis

In der Beginner-Stufe und Klasse 1 gibt es noch eine Teilbewertung, wenn der Hund nur bis zum Pylon läuft und dann umkehrt. Ab Klasse 3 führt das nicht umrunden zum nicht-bestehen der Übung (0 Punkte). Bleibt der Hund nach dem Umrunden am Pylo stehen darf ein Rückruf-Kommando gegeben werden, das aber dann natürlich zu Punktabzug führt. Aber das auch nur bis Klasse 1.

Selbstverständlich darf in der Grundstellung beim Schicken kein Sichtzeichen gegeben werden. Gefragt ist außerdem ein zügiges Tempo und ein gleiches Tempo bei Hin- und Rückweg. Ob der Hund sich vorsetzt oder direkt in die Grundstellung kommt, muss der HF vor Beginn der Übung ansagen. Ob der Hund den Pylon rechts oder links herum umrundet spielt keine Rolle.

Aufbau der Übung

Viele Hunde kennen ein Kommando „Rum“ oder „Außen“ bereits aus dem Agility. Diese dürften dann recht einfach auch um den Pylon zu schicken sein. Bei allen anderen bietet sich folgende Vorgehensweise an:

  • Den Hund um den Pylon führen
  • Den Abstand zum Pylon vergrößern
  • Den Hund zum Pylon schicken
  • Tempo forcieren

Schritt 1: Führen um den Pylo

Im ersten Schritt nimmst du ein Leckerchen (oder auch Spielzeug) sichtbar für den Hund in die Hand stellst dich mit dem Hund vor dem Pylon auf und führst den Hund mit der Hand um den Pylon herum. Er bekommt Leckerchen oder Spielzeug wenn er wieder am Startpunkt angekommen ist.

Schmeiße das Leckerchen am Besten nach dem Umrunden des Pylos ein paar Meter in Laufrichtung des Hundes nach vorne, damit er mit Tempo und Spaß zum Leckerchen läuft. Mit Spielzeug funktioniert das natürlich ebenso.

Wenn du das auf diese Weise ein paar Mal gemacht hast, und den Eindruck hast der Hund hat grundsätzlich verstanden, dass er um den Pylon laufen soll, gehst du zum zweiten Schritt über.

Schritt 1: Den Hund um den Pylon führen

Schritt 1: Die grüne Linie zeigt, wie der Hund geführt werden soll, ob rechts oder links um den Pylon, spielt keine Rolle. Die rote Linie zeigt die Flugbahn der Bestätigung nach dem Umrunden des Pylos

Vorsicht

Hunde die sehr extrem auf Futter oder Spielzeug reagieren, könnten dazu neigen der Hand zu folgen ohne den Pylon wahrzunehmen. Sie lernen dann natürlich nicht, den Pylon zu umrunden sondern nur der Führhand zu folgen. In diesem Fall kannst du versuchen das Spielzeug/Leckerchen wegzulassen und den Hund mit der leeren Hand zu führen. Eine Alternative kann sein, den Hund so knapp am Pylon vorbeizführen, dass der Hund ihn berührt und so wahrnimmt.

Schritt 2: Schicken um den Pylon

Im zweiten Schritt führst du ein Kommando für das Schicken ein und vergrößerst den Abstand zum Pylon so, dass der Hund wirklich ein paar Schritte laufen und den Pylon umrunden muss.

Am besten fängst du an, indem du den Hund 2-3m vor den Pylon setzt und dich selbst auf der anderen Seite unmittelbar an den Pylon stellst. Du kannst dann den Hund mit dem Kommando, dass du zum Schicken nutzen möchtest, bspw. „Rum“ aus seiner Position abrufen und ihn mit der Hand wieder um den Pylon führen. Wenn er dich dann auf dem Rückweg passiert hat, schmeißt du ihm das Futter oder Spielzeug wieder in Laufrichtung.

Schritt 2: Die Entfernung vergrößern

Die grüne Linie zeigt, die Laufrichtung des Hundes. Die rote Linie zeigt die Flugbahn der Bestätigung nach dem Umrunden des Pylos.

Wenn der Hund das aus 2-3m Abstand macht und du das „Führen“ um den Pylon langsam abbauen kannst, weil der Hund den Laufweg verstanden hast, gehst du allmählich immer weiter zurück, bis du auf Höhe des Hundes stehst und diesen aus 2-3m Abstand aus der Grundstellung ohne Handzeichen nur mit dem Kommando schicken kannst.

Schritt 2: Den Abstand weiter vergrößern

Später entfernst du dich immer weiter vom Pylo, bis du neben dem Hund stehst.

Allmählich kannst du den Abstand zum Pylon dann immer weiter ausdehnen und gehst zu Schritt 3 über, wenn dein Hund aus 10-12m problemlos um den Pylon läuft.

Tipp

Es kann sein, dass dein Hund einen sehr weiten Bogen um den Pylon macht, sobald du aufhörst ihn zu führen. Entweder korrigierst du den Hund dann noch mal und führst ihn eng herum oder du begrenzt ihn durch einen mobilen Zaun, den du um den Pylon stellst.

Wenn du einen Zaun als Hilfmittel nutzt, stelle aber sicher, dass er nicht so dicht am Pylon steht, dass der Hund sich angewöhnt den Pylon umzuschmeißen. Um das Hilfsmittel später abzubauen entfernst du den Zaun immer weiter vom Pylon bzw. stellst ihn immer flacher, bis er nur noch eine entfernte gerade Linie hinter dem Pylon bildet.

Mit einem transportablen Zaun um den Pylon kannst du den Laufweg des Hundes begrenzen.

Schritt 3: Tempo steigern

Viele Hunde erhöhen automatisch das Tempo, sobald sie eine Übung verstanden haben. Dennoch wird es auch viele geben, die grundlos nicht in vollem Tempo laufen. Hier musst du also das Tempo steigern. Dazu gibt es ganz viele Möglichkeiten, sofern dein Hund auf Leckerchen und/oder Spielzeug steht.

Tipp

Wenn du Leckerchen benutzt sollten sie etwas größer und farblich gut sichtbar sein und sich gut werfen lassen, wie Käse, Wurst, Fleischwurst. Trockenfutter ist weniger geeignet, außer du nutzt einen Futterbeutel.

Um das Tempo auf dem Hinweg zum Pylon zu steigern schmeißt du dem Hund das Triebmittel über den Hund hinweg hinter den Pylo, wenn sich der Hund schon auf dem Weg zum Pylon befindet.

Umgekehrt kannst du das Tempo auf dem Rückweg erhöhen, wenn du das Triebmmittel in Laufrichtung des Hundes hinter den Startpunkt schmeißt, wenn sich der Hund auf dem Rückweg befindet. Wenn du allgemein das Tempo erhöhen möchtest, machst du das im Wechsel. Mal auf dem Hinweg und mal auf dem Rückweg.

Vorsicht

Wenn du bei Hunden, die weder auf Leckerchen noch auf Spielzeug stehen, auf die Idee kommst eine Hürde in den Laufweg des Hundes zu stellen um ihm Spaß zu verschaffen und das Tempo zu erhöhen, könnte das im Hinblick auf Klasse 3 fatal sein, denn dort stehen links und rechts vom Laufweg Hürden und über eine der Hürde darf der Hund erst auf dem Rückweg springen.

Schritt 4: In Hinblick auf Klasse 3 Ablenkung einbauen

Wenn der Hund den Pylon sicher schnell und im optimalen Fall auch eng umrundet, kannst du schon ein paar Dinge einbauen, die dir später beim Training für Klasse 3 helfen.

  • Lege bspw. in die Nähe des Laufweges des Hundes Apportel und Spielzeug aus oder auch Futterschüsseln, wenn dein Hund auf Spielzeug nicht so steht. Achte dabei darauf, dass der Hund den Pylon trotz der Ablenkung schnell und auf geradem Weg umrundet. Bitte notfalls ein paar Helfer zu verhindern, dass der Hund sich bei der Ablenkung bedient.
Schritt 4: Platziere Spielzeug, Apportel oder Leckerchen in der Nähe des Laufweges des Hundes

Als Ablenkung kannst du Spielzeug, Futterschüssen oder Apportel in der Nähe des Laufweges platzieren.

  • Stelle rechts oder links (später auch auf beiden Seiten) vom Laufweg eine Hürde hin und achte darauf, dass der Hund dennoch den Pylon korrekt umrundet.
  • Stoppe den Hund nach dem Umrunden des Pylons (nicht regelmäßig aber ab und an) und schicke Ihn dann noch mal um den Pylon oder rufe ihn erneut zu dir. Wie du das Stoppen übst, findest du im Beitrag zur Beschreibung der Übung „Abrufen mit Steh“ beschrieben.
Schritt 4: Stoppe den Hund ab und an nach dem Umrunden

Versuche den Hund unmittelbar nach Umrundung des Pylons zu stoppen (rote Linie) oder ins Platz oder Sitz zu bringen. Aus der Position heraus kannst du ihn auch noch mal um den Pylon schicken.

  • Positioniere 2 Hürden rechts und links vom Laufweg, schicke den Hund um den Pylon und stoppe ihn unmittelbar nach dem Umrunden, schicke den Hund dann über eine Hürde deiner Wahl.

Hinweis

Die Varianten mit den Hürden, solltest du natürlich nur dann machen, wenn der Ausbildungsstand deines Hundes das erlaubt. Er muss ein Kommando für den Sprung bspw. „Hopp“ beherrschen und natürlich auch die verwenden Hürden kennen.

Neue Prüfungsordnung 2016

Ab 2016 wird es eine neue Prüfungsordnung für alle Klassen geben. Dabei gibt es viele Neuerungen (neben den neuen Übungen), die sich auf das Training auswirken. Dazu gehören einige grundsätzliche Änderungen bei der Ausführung und Bewertung der Übungen.

„Steh“ + „Platz“ oder nur „Platz“ beim Schicken in die Box

Weiterhin darf beim Schicken in die Box gewählt werden, ob der Hund erst ins „Steh“ und danach ins „Platz“ gelegt wird oder direkt in der Box das „Platz“-Kommando bekommt. Aber, genau wie beim Vorsitz muss das vor der Übung dem Ringsteward und dem Richter mitgeteilt werden. Auch hier ist es also zukünftig fatal, ein „neutrales“ Kommando anzutrainieren und es zu dulden, dass der Hund sich mal hinlegt und mal steht.

 

Sichtzeichen in der Grundstellung

Grundsätzlich sind Sichtzeichen, Handzeichen und Richtungsanweisungen in der Grundstellung nicht nur fehlerhaft, sondern führen dazu, dass die Übung mit 0 bewertet wird. Also ganz wichtig, Hände am Körper lassen, solange der Hund neben dir sitzt J.

Das waren fürs Erste wichtige Neuerungen zur Prüfungsordnung 2016. Die nächsten Beiträge werden sich den neuen Übungen widmen.

Geruchshölzer „neutralisieren“

Wer im Verein für das Training der Geruchshölzer immer wieder ganz neue Hölzer nimmt, muss auf Dauer schon eine Menge Geld investieren, denn dann gehen eine Menge Geruchshölzer dabei drauf. Viele Vereine nutzen die Geruchshölzer daher immer wieder und „neutralisieren“ diese. Dafür gibt es zwei häufig genutzte Methoden:

  • Hölzer einfrieren 1-2 Wochen und wieder auftauen
  • Hölzer abkochen und trocknen lassen

Aufgrund der Tatsache, dass mein Lion eigentlich immer das richtige Holz gefunden hat  und Nullrunden in dieser Übung eher mal daraus resultierten, dass er vorher ein falsches angehoben und wieder abgelegt hat, habe ich mich entschlossen mit seiner Hilfe mal zu testen, ob das wirklich funktioniert. Er ist jetzt in Rente und ich konnte so die Übung nicht mehr „ruinieren“ oder Fehler einbauen.

Warum der Test?

Anlass für diesen Test war ein Training mit Hölzern die von unserer Vereinsprüfung übrig geblieben waren. In die neutralen auf der Prüfung gebrauchten Hölzer, die ich selbst nicht angefasst hatte, sind zwei Hölzer zum Auslosen des Richtungsapports hineingeraten, die ich beschriftet hatte.  Im Training ist eines der Hölzer von der Auslosung zwischen den neutralen Hölzern und dem von mir angefassten Holz ausgelegt worden. Mein Hund hat dann das Holz von der Auslosung statt das „richtige“ gebracht und das 5 Tage nach der Prüfung.  Der Geruch vom Beschriften muss also 5 Tage am Hölzchen gehaftet haben. Das habe ich zum Anlass genommen mal zu testen, wie fein die Nase meines Hundes wirklich ist und ob „neutralisieren“ überhaupt wirklich funktioniert.

Versuch 1

Beim ersten Versuch habe ich 5 Hölzer präpariert, das heißt beschriftet und entprechend behandelt.

  • gekocht und offen trocknen lassen in meiner Küche
  • eingefroren in einer dünnen Papiertüte
  • eingefroren in einem verschlossenen Plastikbeutel
  • gekocht und anschließend in einem offenen Plastikbeutel eingefroren
  • einfach nur offen in meiner Küche liegen gelassen.

Nach einer Woche habe ich mit jeweils einem der präparierten Hölzer und neutralen Hölzern die Geruchsunterscheidung gemacht.

Mein Hund hat alle präparierten Hölzchen erkannt, mit Ausnahme des Hölzchens das offen in meiner Küche gelegen hat.

Versuch 2

Um auszuschließen, dass er nur nach dem 3. Mal zu müde war und einfach irgendeines gebracht hat, schließlich ist er ja schon was älter, hab ich den Versuch noch mal wiederholt. Dazu habe ich jeweils zwei Hölzchen präpariert.

  • gekocht und offen trocknen lassen in meiner Küche
  • gekocht und anschließend in einem offenen Plastikbeutel eingeforen
  • eingeforen in einer einem offenen Plastikbeutel
  • einfach nur offen in meiner Küche liegen gelassen.
  • in einem verschlossenen Plastikbeutel liegen gelassen

Jeweils einen Satz  habe ich 1 Woche nach dem Präparieren verwendet. Ergebnis war, dass mein Hund alle Hölzchen erkannt hat, mit Ausnahme des Holzes, das offen in der Küche gelegen hatte.

Noch mal eine Woche später habe ich das ganze mit dem zweiten Satz Hölzchen wiederholt. Auch hier hat sich gezeigt, dass einfaches „liegen lassen“ wohl mehr Wirkung hat, als jede andere Maßnahme. Denn der Hund hat alle gefunden, selbst nach 14 Tagen!!!! außer dem Hölzchen das offen in der Küche lag und bei dem Hölzchen das gekocht und offen liegen gelassen wurde, war er sich nicht ganz sicher, hat sich aber am Ende doch dafür entschieden.

Erklärungsversuche

Interessant ist in meinen Augen, dass überhaupt versucht wird, Hölzer mittels einfrieren zu neutralisieren, wo es beim Fährten heißt, dass Fährten die nachträglich geforen sind, auf denen kalter Schnee gefallen ist oder die auf gefrorenem Boden gelegt sind, für die Hunde kaum riechen und damit sehr schwer zum abarbeiten sind.

Taut der Boden aber nach dem Legen der Fährte auf, ist das für die Hunde wieder einfacher.  Auf die Geruchshölzchen bezogen muss das heißen, der Geruch der Hölzchen ist im kalten, eingefrorenen Zustand zwar da, aber deutlich schwerer wahrzunehmen. Er verschwindet aber nicht durch die Kälte, sondern wird eher „konserviert“. Beim Auftauen müssten sie aber auch wieder mehr Geruch entwickeln, weil die Temperatur steigt.

Auch wir selbst wissen ja, dass eingefrorene Lebensmittel zwar im gefrorenen Zustand weniger riechen als aufgetaut, aber der Geruch verschwindet ja nicht durch das Einfrieren. Warum sollte das also bei Geruchshölzchen so sein?

Die Frage ist, was Geruch ist, was riecht der Hund genau? Wissenschaftlich gesehen besteht der Geruch eines Gegenstandes aus Geruchsmolekülen die das Objekt umgeben. Je dichter sie am Gegenstand sind, desto weniger weit ist der Geruch wahrnehmbar. Und je mehr sie sich bewegen, desto mehr entfernen sie sich auch vom Gegenstand und umgeben ihn wie mit einer Duftwolke. Je wärmer es ist, desto beweglicher sind die Geruchsmolküle, je kälter es ist, desto unbeweglicher sind sie und desto weniger entfernen sie sich vom Gegenstand.

Einfrieren bewirkt also, dass die Geruchsmoleküle ziemlich eng an das Geruchshölzchen gebunden werden und sich kaum davon entfernen. Man konserviert also eher den Geruch als das man ihn neutralisiert. Das Neutralisieren beginnt dann vermutlich erst mit dem Auftauen, wenn die Moleküle sich wieder erwärmen, mehr bewegen und damit auch vom Gegenstand entfernen können.

Hinweis

Diese Erklärung stammt so nicht von mir. Thomas Nicolas aus meinem Verein hat das mal gehört. Ich konnte diese Theorie aber im Internet auf verschiedenen Seiten bestätigt finden. Insofern wird was dran sein.

Aber warum funktionieren dann das abkochen nicht, denn da werden die Geruchsmoleküle erwärmt und müssen sich eigentlich vom Gegenstand entfernen können. Aber können sie es, wenn sie von Wasser umgeben sind? Meine Theorie dazu, durch die Feuchtigkeit werden die Geruchsmoleküle erst mal am Gegenstand fixiert und können sich erst nach vollständiger Trocknung so verhalten wie an den trockenen Hölzern. Dadurch dauert es länger bis die nach dem Kochen liegen gelassenen Hölzer den Geruch verloren haben.

Die dritte Frage, die ich mir gestellt habe ist, ob die Hölzer nicht durch das liegen lassen in meiner Küche oder meinem Auto auch den Umgebungsgeruch annehmen müssten und daher stärker riechen als das nur kurz angefasse Hölzchen.

Ich bin da für mich zu der Erkenntnis gekommen, wenn sie dadurch überhaupt einen Geruch annehmen, dann sehr viele verschiedene. Dieser Cocktail an Geruchsmolekülen dürfte so vielfälltig sein, dass der Hund den menschlichen also meinen Geruch nur als einen von so vielen erkennt, dass das Hölzchen nicht so wirklich nach mir riecht.

Dennoch ist erstaunlich, dass der Hund nicht den Unterschied zu den anderen erkennt. Egal wonach das Hölzchen für den Hund riecht, wenn die anderen Hölzer nagelneu sprich wirklich neutral sind, riecht das Hölzchen anders als die anderen, wenn auch nicht zwingend nach dem Hundeführer. Es ist schon erstaunlich, dass mein Hund auf diesen Unterschied nicht reagiert, denn die Theorie im Training der Geruchshölzer sagt ja eigentlich, dass der Hund lernt das Hölzchen zu finden das anders riecht als die anderen und nicht zwingend das, was nach Hundeführer riecht.

Achtung

Bei meinem Hund könnte dies auch daran liegen, dass er mit Obedience erst mit 7 Jahren begonnen hat und vorher schon 6 Jahre Fährenerfahrung hatte. Da wir viel auf den Rheinwiesen trainiert haben und dort häufig Müll und Ähnliches lag, hat er da gelernt den „Müll“ von den Fährtengegenständen zu unterscheiden die ja nach Fährtenleger gerochen haben, nicht zwingend nach mir. Vielleicht ist er deshalb eher auf den menschlichen Geruch trainiert als auf eine alleinige Geruchsunterscheidung.

Wenn man diese Erklärungsversuche, sowie die Erkenntnisse aus den Versuchen zusammenfasst, muss man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass möglichst Wind und höhere Temperaturen den Geruch der Hölzchen am ehesten vertreiben. Demzufolge wäre eine schnelle und theoretisch sichere Methode das neutralisieren im Heißluftbackofen. Denn da kann man höhere Temperaturen, bspw. 50°C nehmen, und das Gebläse pustet die Geruchsmoleküle schön an die Seite und weg von den Hölzchen.

Zumindest in der Theorie :-)

Fazit und Ergebnis

Hier noch mal die Zusammenfassung des missglückten Trainings und der anschließenden Tests.

Aktion

nach 5 Tagen

nach 1 Woche

nach 2 Wochen

gekocht und offen trocknen lassen in meiner Küche

erkannt

nicht erkannt (unsicher) = fast neutral

gekocht und anschließend in einem offenen Plastikbeutel eingefroren

erkannt

erkannt

eingefroren in einer einem offenen Plastikbeutel

erkannt

erkannt

einfach nur offen liegen gelassen.

erkannt

nicht erkannt = neutral

nicht erkannt = neutral

in einem verschlossenen Plastikbeutel liegen gelassen

erkannt

erkannt

  • – = nicht getestet
  • erkannt = der Hund hast das Hölzchen erkannt, es ist nicht neutral.
  • nicht erkannt = der Hund hat das Hölzchen nicht gefunden, es ist neutral.

Im Ergebnis heißt das wohl, jegliche Methode schlägt fehlt, die Wasser oder Kälte nutzen, denn scheinbar ist alleine das „liegen lassen“ ausschlaggebend für den Verlust des Geruchs. Und dabei scheint es auch keine Rolle zu spielen, dass die Hölzer in meiner Küche gelegen haben, die ja auch nach mir riecht.

Im meinem Verein handhaben wir die Aufbewahrung der Hölzer jetzt wie folgt. Wir haben vier Stapelboxen. In die unterste kommen die heute gebrauchten Hölzer. in der nächsten Übungsstunde werden die Hölzer aus der oberen Box verwendet und nach der Übungsstunde dort auch wieder reingelegt. Anschließend wird die Box von oben nach unten gestellt. Auf der nächsten Übungsstunde wieder das gleiche, die obere Box wird genutzt und kommt am Ende der Übungsstunde nach unten. So ist sichergestellt, dass die Hölzer immer mindestens 14 Tage unbenutzt liegen.

Tipp:

Zur besseren Durchlüftung haben die Boxen natürlich Löcher und Schlitze.

Unter Umständen werde ich den Test noch mal wiederholen um zu prüfen, ob es Sinn macht die Hölzchen im Heißluftbackofen zu „neutralisieren“ in der Hoffnung das Wärme (anstelle von Kälte) und die Umluft im Backhofen den Geruch schneller vertreiben.

Ergebnisse dazu folgen dann an dieser Stelle. Einfach noch mal vorbei schauen

 

Korrekturen beim Richtungsapport

Selbst wenn du, wie beschrieben die Richtungsanweisungen trainiert hast kommt es natürlich bei einigen Hunden vor, dass sie vor lauter „Apportierwut“ nicht mehr auf deine Richtungsanweisung achten, sobald Apportel ins Spiel kommen. Dann stellt sich natürlich die Frage, was nun? Was solltest du tun, wenn der Hund versucht das falsche zu holen oder es vielleicht schon geholt hat?

Generell gibt es da mehrere Möglichkeiten. Welche du wählst, solltest du vom Wesen und den Vorlieben deines Hundes abhängig machen.

Hund mit extremem Spaß am Apportieren

Hunde die super gerne apportieren, sind ein echter Problemfall. Denn sobald dein Hund das Apportel hat, bestätigt er sich selbst. Auch dann, wenn er das falsche Apportel geholt hat.  Das „Apportieren dürfen“ ist die Bestätigung und folglich wird sich bei einem solchen Hund  eine Korrektur nach dem Aufnehmen des falschen Apportels in der Regel nicht positiv auswirken. Schon gar nicht, funktioniert es, wenn du das Apportieren des falschen Apportels ignorierst. Denn bestätigt hat der Hund sich schon. Was kannst du aber dann tun?

Im optimalen Fall erkennst du schon im Ansatz, dass der Hund das falsche Apportel ansteuert. In diesem Fall solltest du ihn schon korrigieren, bevor er das Falsche nimmt. Wie die Korrektur aussehen sollte, das hängt davon aus, ob dein Hund eher ein Draufgänger oder ein Sensibelchen ist.

Wenn er eher sensibel ist, darfst du auf keinen Fall ein negatives Abbruchsignal verwenden, denn der Hund könnte das falsch verknüpfen und anschließend

  • gar nicht mehr zu dieser Seite laufen, auch wenn es die richtige ist
  • gar nicht mehr apportieren (was bei sehr apportierfreudigen Hunden aber eher unwahrscheinlich ist) oder zumindest sehr zögernd
  • oder stattdessen bspw. das zweite falsche (in Klasse 3) bspw. das Mittlere bringen und die entsprechende Richtung meiden.

Auch „Knautschen“ könnte die Folge von einer daraus resultierenden Unsicherheit sein.

Wenn dein Hund eher ein Draufgänger ist und sich nicht auf Dauer von einem negativen Abbruchsignal beeindrucken lässt, kannst du ihn gut mit einem „Nein“, eventuell gefolgt von einem Rückrufkommando stoppen und zurückrufen, um ihm klar zu machen, dass das falsch war.  Die Tatsache, dass er nicht apportieren darf, ist dann neben dem negativen Abbruchsignal in der Regel schon ausreichend frustrierend für ihn, dass er sich Mühe gibt, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Hinweis

Allerdings besteht die Gefahr, dass er nach dem zweiten oder dritten Mal so gefrustet ist, dass er sich nicht mehr zurückrufen lässt und dann vergibst du damit auch jede Möglichkeit ihn in der Prüfungssituation zu korrigieren.

Beide Hundetypen kannst du daher noch besser mit einem positiven Abbruchsignal stoppen. Das hat den Vorteil, dass der Hund nicht frustriert ist und du kannst das auch in der Prüfung verwenden, falls es doch mal passiert, dass der Hund zum falschen Apportel läuft.

Und wie sieht das dann aus? Ganz einfach. Du brauchst ein Spielzeug oder eine Belohnung für den Hund, die ihm wichtiger oder genauso wichtig ist, wie das Apportel und ein  Kommando, dass du verwenden möchtest um ihn zu stoppen (im optimalen Fall wirklich in ein „Steh“ zu bringen) und ihn dann zum richtigen Apportel zu schicken.

Generell würde ich das Kommando erst mal außerhalb des Richtungsapports trainieren. Wenn es ein Kommando gibt, mit dem du den Hund von dir wegschicken kannst,  bspw. um einen Pylo oder um eine Stange, kannst du das Kommando dafür verwenden, um den Hund von dir weg zu schicken. Gibt es das nicht, kannst du auch ein Apportel 10 bis 20 Meter von dir weg auf den Boden legen. Nun schickst du deinen Hund zu seinem Ziel, der Stange, dem Pylo oder dem Apportel. Kurz bevor er das Ziel erreicht hat, kommt von dir das Kommando. Gib es unbedingt in einer fröhlichen Tonlage, die dem  Hund eine Belohnung verspricht. 90% aller Hunde werden sich jetzt überrascht umdrehen und stehen bleiben und erst mal gucken, was jetzt eigentlich los ist. Das ist genau der Moment den du bestätigen musst, bspw. mit einem Click und anschließend der Belohnung. Wenn du mit Spielzeug bestätigst, klicke am Besten und schmeiß dem Hund das Spielzeug entgegen.

Das wiederholst du nun ein paar Mal, so dass der Hund das Kommando damit verknüpfen kann, dass er seine Belohnung bekommt, wenn er danach stehen bleibt. Allerdings solltest du unbedingt darauf achten, ihn nicht immer zu stoppen, sondenr ihn auch zwischendrin immer wieder zu zeinem Ziel (Pylo, Stange, Apportel) laufen zu lassen, denn sonst stoppt er nachher von alleine und läuft nicht mehr zum Pylo oder zum Apportel.

Tipp

Da es nicht nur darum geht, den Hund vom Apportieren des falschen Apportels abzubringen, sondern auch um eine Korrekturmöglichkeit in der Prüfung, solltest du ihn immer nur dann bestätigen, wenn er auf dein Kommando auch stehen bleibt und nicht, wenn er dann automatisch zu dir kommt oder automatisch zu einem anderen Apportel läuft.

Im nächsten Schritt kombinierst du das Kommando nun mit dem Richtungsapport. Immer wenn dein Hund versehentlich zum falschen Apportel läuft, stoppst du ihn mit dem Kommando. Bleibt er stehen bestätigst du ihn mit seinem Spielzeug oder Leckerchen, möglichst in dem Moment, wo er dich ansieht und aufmerksam steht.

Gelegentlich, nicht allzu regelmäßig, folgt beim Stehenbleiben keine Belohnung, sondern stattdessen schickst du ihn per Handzeichen und Kommando zum richtigen Apportel. Das darf er dann als „Belohnung“ apportieren und kommt er damit, solltest du ihn genauso überschwenglich loben, als wenn er gleich das richtige geholt hätte.

Achtung

Beobachte unbedingt deinen Hund, solltest du den Eindruck haben, der läuft jetzt extra erst mal zum falschen Apportel um dann korrigiert zu werden, weil er sich schon alleine durch das „laufen“ bestätigt, sollst du ihn nur ganz selten zum richtigen Apportel weiterschicken. Stattdessen solltest du wie nachfolgend näher erläutert, ihm den Spaß daran verderben zum falschen Apportel zu laufen. Ein solches Verhalten könnte auch darauf hindeuten, dass dein Spielzeug (oder die sonstige Belohnung) gegenüber dem Apportel zu hochwertig ist und dein Hund gelernt hat, wenn er zum falschen läuft und sich stoppen lässt, bringt das mehr Spaß als das Apportieren. Falls das die Ursache sein könnte, solltest du für das Bestätigen des Stoppens eine geringerwertige Belohnung verwenden, als für die Belohnung nach dem Apport des richtigen Apportels.

Hunde, die sich nicht stoppen lassen

Es gibt natürlich Hunde, die beim Apportieren so fixiert auf das Apportel sind, dass sie sich nicht einfach durch ein Kommando stoppen lassen. Hier musst du dann andere Maßnahmen ergreifen, damit dein Hund erst mal die Erfahrung machen kann, dass sich stoppen lohnen kann.

Hinweis

Wenn dein Hund sich ein paar Mal hat stoppen lassen, danach aber nicht mehr reagiert heißt das, die von dir gewählte Belohnung ist nicht hochwertig genug, er mag halt das Apportel mehr, oder aber dein Timing war falsch und der Hund hat nicht verstanden, dass er die Belohnung für das Stoppen bekommen hat.

Egal was der Grund ist, du musst auf jeden Fall verhindern, dass dein Hund zum „Erfolg“ kommt, indem er das falsche Apportel aufnimmt, nach dem Kommando für das Stoppen. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten:

Alternative 1: mit Hilfspersonen

Du stellst an jedes Apportel eine Hilfsperson (wenn du zunächst außerhalb des Richtungsapports mit nur einem Apportel trainierst, reicht natürlich auch eine Person). Diese sollte zwei bis drei Meter vom Apportel entfernt stehen, aber so nah, dass sie schnell eingreifen kann.  Wichtig ist, dass sich die Hilfspersonen nicht von der Stelle rühren, bis zu dem Moment wo dein Stopp-Kommando kommt und der Hund dieses missachtet. Dann muss die Hilfsperson bei dem Apportel zu dem der Hund läuft, dafür sorgen, dass der  Hund es nicht apportieren kann, bspw. in dem sie mit dem Fuß drauf trit oder wegnimmt, bevor der Hund da ist.  Das erfordert natürlich, dass dein Stopp-Kommando so früh kommt, dass die Hilfsperson genug Reaktionszeit hat. Wichtig ist zudem, dass zu jedem Apportel eine Hilfsperson vorhanden ist, damit der Hund nicht lernt, dass er nur stoppen muss, wenn eine Person in der Nähe ist oder an den Personen festmacht, welches Apportel das richtig ist.

Wenn der Hund dann, mangels Apportiermöglichkeit doch stehen bleibt, muss die Belohnung auch sofort folgen, damit der Hund erst mal die Erfahrung machen kann, wenn er stehen bleibt kommt was besseres als das Apportel.

Auf diese Weise trainierst du weiter, so dass der Hund lernt, es lohnt sich, auf dein Kommando zu stoppen, denn zum einen kommt er dann ohnehin nicht mehr an das Apportel und zum anderen bekommt er von dir was Besseres.

Wichtig

ist aber auch hier, dass du ihn trotz Anwesenheit der Hilfspersonen nicht jedes mal stoppst, sondern auch mal apportieren lässt. Daher ist es gerade am Anfang wichtig, auch das außerhalb des Richtungsapportes zu üben. Der Hund soll ja nicht irgendwann keinen Sinn mehr darin sehen, zum Apportel zu laufen, weil er ohnehin vorher gestoppt wird. Das ist ja nicht Sinn der Übung.

Alternative 2: Attrappen statt Apportel

Wenn du das ganze direkt im Richtungsapport trainieren möchtest und dem Hund aber beim falschen Apportel kein Erfolgserlebnis gönnen möchtest, kannst du anstelle der zwei falschen Apportel Backsteine verwenden, auf denen die Form der Apportel mit weißer Farbe aufgemalt ist. Gerade im Winter bei Lampenlicht oder in der Dämmerung kann der Hund das auf Entfernung nicht mehr unterscheiden. Sollte er sich nicht stoppen lassen findet er am Ende aber nichts zum Apportieren und wird daraus lernen, dass er nur zum Erfolg kommt, wenn er in die richtige Richtung läuft oder sich auf dein Abbruch-Kommando stoppen lässt.

Tipp

Bei Verwendung von Attrappen würde ich auch beim Training für Klasse 2 immer auch das Mittlere wie in Klasse 3 als Attrappe auslegen. Dann lernt der Hund von vornerhein, dass Mittlere lohnt sich nicht anzulaufen.

Achtung

Es gibt Hunde, die so bekloppt auf Apportieren sind, dass die auch versuchen Backsteine zu apportieren und dies sogar machen. Problematisch ist, das wenn dies Hunde sind, die zudem noch sehr hastig aufnehmen. Wenn der Hund dann nicht registriert, dass das kein Holz ist, könnte er sich die Zähne abbrechen. Bei sehr hastigen, extrem apportierfreudigen Hunden, würde ich auf diese Methode daher verzichten.

Alternative 3: Erschrecken mit Wasserpistole oder Klapperdose

Alternativ kannst du versuchen, dass Ignorieren deines Stopp-Kommandos zu sanktionieren, indem eine Hilfsperson den Hund mit einer Wasserpistole naßspritzt, wenn er nach dem Stopp-Kommando nicht anhält. Sollte er es danach aber doch noch tun, musst du ihn auch überschwenglich loben und bestätigen, damit er lernen kann, es lohnt sich dein Kommando zu befolgen.

Bei geräuschempfindlichen Hunden kannst du auch, dass Ignorieren deines Stopp-Kommandos mit einem Geräusch, bspw. Trainings-Discs oder einer Klapperdose sanktionieren.

Achtung

Denke daran, es geht primär nur darum, dass der Hund trotz Apportel in Sichtweite auf dein Stopp-Kommando stehen bleibt. Du sollst also nur das Ignorieren des Stopp-Kommandos sanktionieren, NICHT das Aufnehmen des falschen Apportels. Dazu darf es auf keinen Fall kommen. Dein Hund soll die Chance haben, zu lernen, dass das Stehenbleiben auf dein Kommando zu etwas besserem als dem Apportel  (oder zumindest etwas gleichwertigem) führt.

Tipp

Ich habe bei meinem Engelchen, der auch sehr apportierfreudig ist und bei dem vorher alles andere (einschließlich der Backsteine) gescheitert war, mangels entsprechender Hilfspersonen, zwei Klapperdosen so auf die beiden falschen Apportel gelegt, dass diese runterfallen, sobald der Hund versucht das Apportel anzuheben. Als er dann zum falschen gelaufen ist, habe ich versucht ihn mit dem Stopp-Kommando zu stoppen. Das hat er zwar angenommen und ist stehen geblieben. Als ich dann aber versucht habe ihn zum richtigen Apportel zu schicken hat er mir den Stinkefinger gezeigt und wollte trotzdem das falsche bringen, bei dem er ja schon mal stand. Das Geräusch der Dose beim Fallen hatte eine so schlagende Wirkung, dass er sich seit dem immer problemlos stoppen und korrigieren lässt!

Bei der Arbeit mit Klapperdosen, Disks oder auch Wasserpistolen ist es aber ganz wichtig, dass du vermeidest dass dein Hund das mit dem Aufheben des Apportels verknüpft.  Sollte das passieren, wie bspw. auch bei meinem Engelchen, denn da kam das Geräusch ja erst beim Aufheben des Apportels musst du deinem Hund unbedingt noch ein Erfolgserlebnis verschaffen, damit er die Chance hat zu lernen, dass beim Aufnehmen des richtigen Holzes nichts unangenehmes passiert.

Hunde, die nur aus Pflichtgefühl apportieren

Dann gibt es natürlich Hunde, die nur apportieren, weil sie müssen oder im besten Fall, für die Belohnung hinterher. Bei diesen Hunden ist es oftmals durchaus ausreichend das Apportieren des falschen Apportels zu ignorieren, denn dann haben sie „umsonst“ gearbeitet und werden auf Dauer bevorzugt die Seite bringen, die ihnen ihre Belohnung verspricht.

Auf keinen Fall darfst du bei einem solchen Hund den Fehler machen, ihm die „falsche“ Seite mit einem negativen Abbruchsignal zu vermiesen, denn das könnte dazu führen, dass dein Hund gar nicht mehr apportieren möchte. Um einen solchen Hund auch in der Prüfungssituation korrigieren zu können, solltest du wie oben beschrieben mit einem positiven Kommando das stoppen üben. Sollte bei desem Typ Hund gar kein Problem sein, denn jedes Kommando was dazu führt, dass er nicht apportieren muss, wird dein Hund gerne annehmen.

Die Minimalisten

Und dann gibt es da noch den Typ Hund der zwar gerne apportiert aber nicht sehr lauffreudig ist und immer versucht mit minimalem Aufwand zu seinem Ziel, der Belohnung für das Apportieren oder zum Apportel selbst zu kommen.

So ein Typ ist mein Engelchen auch. Er apportiert zwar für sein Leben gerne, aber wenn er drei Apportel zur Auswahl hat, nimmt er am liebsten das, was am nächsten dran liegt und das ist in Klasse 3 leider das Mittlere.

Und genau hier liegt die Lösung für das Problem. Lege einfach die Apportel so aus, dass  das Mittlere (falls dein Hund dies bevorzugt) weiter weg liegt als die äußeren, indem du es einfach weiter weg legst. Die Apportel liegen dann zwar nicht in einer Reihe, aber der Hund macht die Erfahrung, dass das  Mittlere sich aufgrund der Entfernung nicht lohnt. Das mittlere sollte allerdings noch für den Hund erkennbar sein. Ein paar Meter (4-5) weiter hinten als die anderen reicht völlig.

Statt alle Apportel in eine Reihe zu legen, liegt das mittlere Apportel weiter hinten.

Tendiert dein Hund nicht nur zum mittleren sondern wahlweise auch zu einem falschen auf der Seite, weil ja schließlich beide falschen gleich weit vom Pylo liegen, legst du das Falsche einfach weiter vom Pylo weg als das Richtige.

Die Apportel werden so ausgelegt, dass das „Richtige“ am nächsten beim Hund liegt und es somit für den Hund am effizientesten ist, das zu apportieren, was du ihm zeigst.

Wichtig ist dabei, dass du das so konstant durchhälst und deinen Hund im Zweifel auch mal den längeren Weg zum Falschen ausprobieren lässt, dass er lernen kann, dass du ihm den kürzesten Weg zeigst. Allerdings solltest du den Hund, wenn er schon den längeren Weg in kauf genommen hat, nicht zum Erfolg kommen lassen, sondern dann am  Ziel unterbinden, dass er das Apportel nehmen kann. Welche Möglichkeiten du dazu hast, wurde weiter oben ja schon beschrieben.

Fazit – Für jeden Typ Hund gibt es eine Lösung

Wie du siehst gibt es zahlreiche Möglichkeiten, deinem Hund beizubringen, dass sich ein falsches Apportel zu bringen nicht lohnt. Egal, welche Methode du wählst, beobachte deinen Hund um schon im Ansatz zu erkennen, ob eine Methode nicht vielleicht in eine Sackgasse führt oder an anderer Stelle Probleme schafft.

 

Geruchsidentifikation für extrem apportierfreudige Hunde

Manche Hunde sind so dermaßen apportiergeil dass es sehr schwer ist, ihnen die Geruchsidentifikation beizubringen. Das Problem ist, schon wenn die Hölzer in Sichtweite kommen, schalten diese Hunde auf „Apportieren“ um. Natürlich kann man auch bei diesen Hunden probieren, Leckerchen zwischen die Hölzer zu legen oder diese unter anderen Dingen zu verstecken, aber wenn dein Hund eher auf Spielzeug und Apportieren steht und sich dann nicht mehr für Leckerchen interessiert, wirst du damit nicht viel erreichen und im Zweifel wird dein Hund eben die Dinge apportieren, die zum Abdecken der Hölzer dienen.

Natürlich könnte man solche Hunde veilleicht durch entsprechende Kommandos oder Strafen vom Apportieren der Hölzer abhalten. Aber ob sie dann anfangen ihre Nase einzusetzen ist zweifelhaft. Vor allem willst du deinem Hund das Bringen der Hölzer ja nicht vermiesen, sondern ihn nur veranlassen mit der Nase nach dem richtigen zu suchen.

Ziel ist also: Dein Hund soll lernen, „ich darf apportieren, wenn ich vorher mit der Nase das richtige Geruchshölzchen ermittelt habe“.

Das ist eine langwierige Sache, wenn der Hund das „Apportieren“  egal von was, immer dem Leckerchen vorzieht. Es gibt aber eine Möglichkeit. Fange damit am besten möglichst früh an, dann kannst du dir Zeit lassen und pünktlich zur Klasse 2 kann dein Hund dann auch die Geruchshölzchen.

Vorgehensweise

Hat den Hund bereits zahlreiche Versuche mit den Hölzchen hinter sich und schon verknüpft, dass mit dem Kommando das du für die Hölzchen verwendest, ganze viele Apportiergegenstände verfügbar sind, die es gilt möglichst schnell einzusammeln, solltest du unbedingt ein neues Kommando für die Hölzchen verwenden. In jedem Fall ist das gleiche Kommando, dass du zum Apportieren nimmst, kontraproduktiv. Du solltest ein ganz anderes vom Klang her nehmen. Ich nehme bspw. immer „Riechen“, weil mein Hund „Such“ für die Fährte braucht und mit „Brings“ apportiert. „Suchen“ oder „Such“ ist aber generell keine schlechte Wahl.

Anschließend sind folgende Schritte notwendig.

  1. Konditionieren eines Kommandos zum „Einschalten“ der Nase
  2. Reduzieren des Interesses an den Hölzern als Apportiergegenstand
  3. Absichern, des Suchens nach dem richtigen Hölzchen
  4. Festigen des Suchens

Was du benötigst

Edelstahl-Set Geruchsholzattrappen

Geruchsholzattrappen aus Edelstahl

Besorge dir für den zweiten und dritten Schritt folgende Utensilien:

  • Geruchsholzattrappen aus Edelstahl (2-5 Stück)
  • Geruchshölzer
  • Kaninchendraht, möglichst engmaschig und grün beschichtet. Gibt es in Gartencentern und Raiffeisenmärkten.Optimal ist der mit keinem quadratischem Raster. Du brauchst ein Stück von ca. 60-80 cm Breite und 1 bis 1,2m Länge. Etwas größer ist aber nicht schlimm.
  • 5-8 Zeltheringe zum Fixieren des Drahtes auf der Wiese
  • eine Kneifzange/Seitenschneider zum Schneiden des Drahtes
  • ein Lieblingsspielzeug für deinen Hund.

Bis du die Sachen beisammen hast, kannst du mit Schritt 1 aber schon mal beginnen.

Konditionieren eines Kommandos zum „Einschalten“ der Nase

Nimm das absolute Lieblingsleckerchen, wenn du das schneidest, wie Käse oder Wurst, fange mit schönen großen Stücken an, damit es sich aus Sicht des Hundes lohnt.

  • Setze den Hund ab und lege das Leckerchen auf ca. 10m Entfernung so hin, dass der Hund es gut beobachtet. Zeige ihm dazu das Leckerchen am besten, bevor du dich vom Hund entfernst.
  • Stelle dich wieder neben den Hund und schicke ihn mit dem Kommando das du später für die Geruchshölzer verwenden möchtest, zum Leckerchen. Lobe ihn mit Worten (kein Spielzeug) wenn er es gefressen hat und rufe ihn dann zu dir.
  • Wiederhole dies einige Male und möglichst mehrmals am Tag.

Wichtig ist zunächst, dass der Hund lernt auf das Kommando hin, sich 10m von dir zu entfernen und dort ein Leckerchen findet.

Hat der Hund das verstanden, verwende immer kleinere Leckerchen, so dass er die nicht mehr von weitem sieht sondern lernt diese mit der Nase zu suchen. Wichtig ist aber, es liegt immer nur ein Leckerchen dort.

Tipp

Wenn du eine Hilfsperson hast, kannst du die, wie den Ringhelfer später, auch bitten, das Leckcheren auszulegen. Nimm ruhig ein Tablett dazu, wie der Ringhelfer das später auch macht. Am besten, du machst eine Grundstellung, drehst dich herum, der Helfer geht mit dem Tablett und den Leckerchen zur entsprechenden Stelle, legt das Leckchern ab und kommt wieder zurück. Danach drehst du dich wieder um und schickst deinen Hund.

Dann hat der Hund schon den gleichen Ablauf wie später bei den Hölzern und verknüpft mit dieser Situation gleich, dass es ums riechen  nicht ums apportieren geht.  Und genau so, kannst du das auch in den späteren Schritten weiter fortführen.

Achtung

Du solltest auf keinen Fall aus Bequemlichkeit das Leckchern hinwerfen, denn das fördert Trieb und Apportiertrieb und genau das willst du dem Hund ja abgewöhnen. Je ruhiger das abläuft, desto geringer wird der Apportiertrieb des Hundes sein.

Wenn du beobachstest, dass der Hund ruhig nach dem Leckchern sucht, ohne hektisch zu werden und ohne nach zu apportierenden Dingen wie Stöckchen ausschau zu halten, kannst du mit dem nächsten Schritt fortfahren.

Reduzieren des Interesses an den Hölzern als Apportiergegenstand

Nun schneidest du in den Draht an einer Stelle eine Ausschnitt, der ausreichend groß ist, dass dort genau ein Hölzchen Platz hat. Wichtig ist, schneide den Draht sehr exakt an den Kanten ab, damit dein Hund sich nicht an vorstehenden Spitzen verletzen kann.

Jetzt kommt der wichtigste Schritt. Ohne dass dein Hund dies beobachetet, baust du nun den Draht auf, legst ihn flach auf den Boden und fixierst ihn mit den Zeltheringen.

Suchen nach Leckchern im Draht

Anschließend lässt du deinen Hund noch ein paar Mal das Leckerchen suchen, nur befindet sich da nun innerhalb des Drahtes, damit dein Hund den Draht kennenlernt. Du legst das Leckerchen dazu am besten in den gefertigten Ausschnitt, damit dein Hund dort das Leckerchen recht einfach aufnehmen kann und nicht durch den Draht behindert wird.

Metallattrappen ignorieren und nach Leckchern suchen

Im nächsten Teilschritt legst du unter den Draht die Metallattrappen, zufällig oder in Reihe, ruhig jedes Mal anders. Weiterhin kommt in den Ausschnitt ein Leckchern und du schickst deinen Hund weiter immer nur hin, um das Leckerchen zu suchen.

Wichtig

Die allermeisten Hunde werden sich jetzt natürlich für die Metallattrappen  interessieren und versuchen da ran zu kommen. Du musst nun unbedingt darauf achten, dass dein Hund kein Erfolg hat. Versucht er den Draht rauszureißen, schimpfe mit ihm und unterbinde das in jedem Fall. Ebenso wenn er versucht die Attrappen durch den Draht zu ziehen.

Hinweis

Wenn dein Hund sich für die Metallattrappen nicht interessiert stellt sich die Frage, ob dein Hund überhaupt ein Kandidat für diese Methode ist, oder ob du es nicht einfacher hättest, wenn du auf den Draht verzichtet und nur die Metallattrappen und das richtige Hölzchen auslegst.

Aufbau der Übung: Unter dem Drahtgeflecht (grün) liegen die Geruchshölzchen oder Attrappen, in der Aussparung das Leckeren (rot) und später das richtige Hölzchen

Unter dem Drahtgeflecht (grün) liegen die Geruchshölzchen oder Attrappen, in der Aussparung das Leckeren (rot) und später das richtige Hölzchen

Bei den ersten Versuchen kannst du deinem Hund ruhig helfen und ihm das Leckchern noch mal zeigen, damit er sich nachdem er sich von den Attrappen abgewandt hat wieder um das Leckchern kümmert.

Wiederhole das solange, bis dein Hund sich zwar die Attrappen ansieht, im optimalen Fall daran schnüffelt und dann nach dem Leckchern sucht und es frisst. Wenn er das so macht, darfst du ihn ruhig ab und an, nach dem Fressen des Leckerchens wenn er wieder bei dir ist mit einem Spielzeug bestätigen, denn es soll sich ja aus seiner Sicht lohnen auf das Apportieren der Attrappen zu verzichen und die Nase zum Suchen des Leckerchens einzusetzen.

Tipp

Es gibt Hunde die jetzt ziemlich gefrustet sind und keinen Bock mehr haben, hinzulaufen und das Leckchern zu suchen. Das ist eigentlich eine „gute“ Phase, denn es zeigt, dass der Hund sich nicht mehr im Apportiermodus befindet. Jetzt musst du nur noch sein Interesse am Schnüffeln wecken. Wichtig ist jetzt darauf zu bestehen, dass der Hund dennoch hinläuft und das Leckchern sucht. Um seine Motivation am Schnüffeln wieder zu erhöhen, bestätigst du ihn dann, wenn er das gemacht, auch wenn du ihn mehrmals auffordern musstest, mit einem Spielzeug.

Achte aber darauf, ihn nur zu bestätigen, wenn er nach dem Leckchern sucht. Du kannst das prüfen und fördern, indem du den Hund von verschiedenen Seiten hinschickst und so die Position von Leckchern und Attrappen zu einander aus Sicht des Hundes immer anders ist. Du kannst außerdem auch das Leckchern  mal an den Rand des Drahtes legen und den Hund zu animieren eine größere Fläche abzusuchen. Wichtig ist weiterhin es gibt nur ein Leckerchern.

Wenn das sicher klappt der Hund wieder motiviert zum Draht läuft, das Leckchern sucht und frisst um sich das Spielzeug zu verdienen kannst du zum nächsten Teilschritt übergehen. Es ist aber ganz wichtig, dass der Hund in Erwartung  des für ihn höherwertigen Spielzeugs dennoch genug Disziplin und Gehorsamz zeigt um motiviert mit nur einem Kommando zum Leckchern zu laufen und es zu suchen bis er es gefunden hat. Hier musst du ganz konsequent sein. Kommt der Hund zurück ohne das Leckchern gefunden zu haben oder bleibt er gar über dem Draht stehen und fängt gar nicht an zu suchen, wird er keinesfalls bestätigt. Dann musst du weiter trainieren bis das reibungslos klappt.

Von Metallattrappen zum Hölzchen

Nun ersetzt du allmählich alle Metallattrappen durch richtige Hölzchen und wiederholst das, bis der Hund sich auch für die Hölzchen nicht mehr interessiert, als dass er sie abschnuppert um das Leckchern zu finden.

Du kannst und auch dazu übergehnen, die Hölzer so zu verteilen, dass er „überqueren“ muss um an das Leckchern zu kommen. Bestätige ihn mit Spielzeug, wenn er sie sauber abschnüffelt, das Leckchern findet und frisst.

Wenn das klappt und der Hund keine Anstalten mehr macht, die Hölzchen hochheben zu wollen oder gar den Draht rausreißen will, er aber dennoch motiviert nach dem Leckerchen sucht, gehst du zum nächsten Schritt über.

Absichern, des Suchens nach dem richtigen Hölzchen

Du legst nun unter den Draht Hölzchen und das richtige Holz, dass du ausgiebig mit nach Leckerchen riechenden Händen angefasst hast, in die Aussparung im Draht. Schicke den Hund nun von einer Seite zu den Hölzchen, bei der er die falschen unter dem Draht überqueren muss um an das richtige zu gelangen.

Gib ihm nun Zeit und beobachte ihn. Setzt er seine Nase ein wie vorher beim Suchen des Leckerchens, schnüffelt am richtigen Hölzchen und bringt es dann, warte ab, bis er auf halbem Weg mit dem Hölzchen ist und bestätigt ihn dann, in dem du das Spielzeug hinter dich wirfst.

Beim nächsten Mal liegt wieder nur Leckerchen statt des richtigen Holzes auf de Draht. Das ist wichtig, damit du nicht bei deinem Hund wieder die Erwartunghaltung weckst, dass er das erstbeste Holz apportieren darf.

Wichtig ist, dass du immer im Wechsel, nicht immer genau einmal, sondern zufällig entweder ein Leckcheren liegen hast oder das richtige Hölzchen. Wenn du das eine Weile so geübt hast, und du merkst, dass der Hund ruhig sucht und immer seine Nase einsetzt, kannst du zur letzten Phase übergehen, die du vermutlich für den Rest deines Trainings beibehalten wirst.

In dieser Phase ist Konsequenz absolug wichtig. Du darfst deinem Hund keine Gelegenheit geben wieder in altes Verhalten zurückzufallen und du darfst ihn nur dann mit Spielzeug bestätigen, wenn er erkennbar mit der Nase sucht.

Tipp

Wechsel den Aufbau auch unbedingt ab, in dem du die falschen Hölzer unterschiedlich anordnest. Im weiteren Verlauf des Trainings kannst du auch andere Dinge wie Hütchen, halbierte Röhrchen etc. auf den Draht legen und so die falschen teilweise abdecken oder auch das richtige oder das Leckerchen leicht abdecken, dass nur ein Teil herausragt. All das animiert den Hund dazu mit der Nase und nicht mit den Augen zu suchen.

Es ist aber ganz wichtig, dass der Hund natürlich auch andere, vorhandene Gegenstände nicht bringen darf! Das solltest du auf jeden Fall unterbinden.

Tipp

Wenn dein Hund im Verlaufe des Trainigs wieder Tendenzen zeigt, doch mehr zu apportieren als zu suchen, spricht aber nichts dagegen wieder temporär zu den vorherigen Schritten zurück zukehren.

Festigen des Suchens

Findet dein Hund zuverlässig auch mit anderen Gegenständen und teilweise abgedeckt das richtige Hölzchen, kommt der entscheidende Punkt. Jetzt lässt du den Draht weg und ersetzt vorrübergehend die falschen Hölzer wieder durch die Attrappen. Lasse ihn auf diese Weise eine ganze Weile suchen un gestalte das Ganze wieder interessant, indem du die Übung variierst (Vorschläge folgen weiter unten).

Erst wenn dein Hund ganz sicher in der Nutzungs einer Nase ist und intensiv nach dem Hölzchen suchst, ersetzt du nach und nach die Attrappen wieder durch Hölzer.

Achtung

An dieser Stelle ist natürlich ganz wichtig, dass du ganz konsequent nur das Bringen des richtigen Hölzchens mit Spielzeug bestätigst. Bringt der Hund ein falsches, sollte das so deutliche Konsequenzen für ihn haben, dass er keinen Spaß daran hat. In aller Regel ist zu empfehlen die Übung mit einem fü den Hund bekannten Abbruchsignal zu beenden und ihm auch möglichst schnell das falsche Holz abzunehmen, damit er sich nicht durch das „tragen dürfen“ selbst bestätigt und zur „Strafe“ eine für den Hund deutlich langweiligere Übung zu machen oder ihn einfach 1/2 Minute abzulegen und nicht zu beachten. Bringt er hingegen das richtige Hölzchen und sucht sehr schön, muss eine Belohnung folgen, die so hochwertig für den Hund ist, das es aus seiner Sicht den Verzicht auf das „Apportieren“ der falschen Hölzchen wett macht, bspw. ein Spiel mit dem Hund und seinem Lieblingsspieli. Keinesfalls darf die Konsequenz aber so heftig sein, dass der Hund aus „Angst“ das falsche zu bringen, gar nicht mehr sucht, oder Hektik beim Suchen ausbricht.

Trainingsvarianten

Damit dein Hund nicht irgendwann wieder in altes Verhalten zurückfällt ist es wichtig, das Suchen interessant zu gestalten und zwar so, dass er gezwungen ist, die Nase einzusetzen. Dazu sind folgende Varianten denkbar, die du gerne mischen oder auch kombinieren kannst. Und bei allen VArianten kannst du auch ruhig mal wieder zwischendurch das richtige Hölzchen durch ein Leckerchen ersetzen.

  • decke die falschen und das richtige Hölzchen ganz oder teilweise ab, aber so, dass der Hund das richtige bringen oder das Leckchern fressen kann, du kannst zu Abdecken bspw.
    • Markierungshütchen
    • Kunststoff-Rohrstücke (ganz oder halbiert)
    • Bierdeckel geknickt oder ganz, verwenden
  • verteile die Hölzchen großflächig und platziere andere Gegenstände dazwischen
  • setze immer wieder auch die Attrappen ein.
  • decke die Hölzer im Herbst bspw. mit Laub ab. Da Laub für Hunde gut riecht, animiert das die Hunde noch mehr zum Suchen und bringt den meisten Spaß auch unabhängig vom Apportieren.
  • variiere wie die Hölzer liegen, in Reihe (auch ruhig mal 20 oder 30), im Kreis, zufällig hingeschmissen auch übereinander auf einem Haufen, wobei dann das richtige nicht ganz oben liegen sollte.
  • später, wenn dein Hund sicherer ist, kannst du auch minderwertigeres Spielzeug zwischen die Hölzer legen und ihn dann, wenn er schön sucht mit seinem Lieblings-Spieli dafür bestätigen. Das solltest du aber erst dann tun, wenn das Suchen (anstelle von „Apportieren“) bei deinem Hund schon gefestigt ist.

 

Mit Fehlern des Hundes umgehen – ignorieren? oder was sonst?

In den letzen Monaten war ich auf mehreren Seminaren, erfolgreicher Hundesportler. Während sie bei einigen Dingen wirklich übereinstimmend gleiche oder zumindest ähnliche Empfehlungen gegeben haben, gab es ein wesentliches Bauteil der Hundeausbildung wo es sehr gegensätzliche Meinungen zu gab, nämlich wie mit Fehlern des Hundes umzugehen ist.

  • Die eine Meinung ist: Fehler werden ignoriert, einfach so tun, als wenn nichts gewesen ist, dafür den Hund überschwenglich loben, wenn er das gewünschte Verhalten zeigt.
  • Die andere Meinung ist: Für mehr Klarheit und schnellerem Verständnis des Hundes sollte man für falsche Verhalten auch ein negatives Abbruchkommando verwenden, das dem Hund ganz klar sagt, dass sein Verhalten falsch war. Falsches Verhalten soll also sanktioniert werden, durch ein Abbruchkommando.

An beiden Verfahren ist meiner Meinung nach schon etwas Richtiges dran. Sie haben beide Vor- und Nachteile. Und jeder Befürworter der einen Methode argumentiert natürlich mit Nachteilen der jeweils anderen Methode. Ich möchte nachfolgend kurz darlegen wo die Vor- und Nachteile liegen. In jedem Fall sollte sich jeder für seine persönliche Methode entscheiden und dazu die Vor- und Nachteile abwägen und die zu lösenden Probleme berücksichtigen.

Gegenüberstellung beider Methoden

 Fehler ignorieren  negatives Abbruchsignal
Vorgehensweise Zeigt der Hund nicht das gewünschte Verhalten, wird sein Verhalten ignoriert und die Übung wiederholt. Gelingt es dem Hund nicht nach ein paar mal das Verhalten zu zeigen, wird die Übung für den Hund einfacher gestaltet oder dem Hund geholfen das gewünschte Verhalten zu zeigen, damit er sich seine Belohnung verdienen kann. Zeigt der Hund das gewünschte Verhalten wird er überschwänglich gelobt. Zeigt der Hund ein falsches Verhalten, wird die Übung mit einem negativen Abbruchsignal beendet, bspw. „Nein“ oder „Falsch“ und neu begonnen. Für den Hund muss ganz klar sein, dass die Übung neu beginnt und nicht trotz des Fehlers weiter gemacht wird.
Vorteile
  • Der Hund wird recht schnell lernen, dass sich unerwünschtes Verhalten nicht lohnt, weil er sich damit nicht seine Belohnung verdienen kann.
  • Es besteht nicht die Gefahr, dass der Hund das negative Abbruchsignal per Konditionierung mit dem falschen Verhalten verknüpft.
  • Der Hund hat keinen Stress dadurch dass er Fehler macht. Stress hemmt den Lernerfolg und ist daher in der Regel kontraproduktiv.
  • Man schenkt einem unerwünschten Verhalten keinerlei Aufmerksamkeit. Auch „negative“ Aufmerksamkeit kann für manch einen Hund eine Belohnung sein.
  • Der Hund kann sehr gut unterscheiden, welches Verhalten gut ist (er wird gelobt) und welches falsch ist (es folgt das Abbruchsignal) nach der Methode „Zuckerbrot und Peitsche“ wobei beides natürlich nicht wörtlich zu nehmen ist.
  • Folgt mal weder ein Lob noch ein negatives Abbruchsignal, wie bspw. in der Prüfungssituation ist dem Hund zumindest klar, dass er nichts falsch macht.
  • Wenn mit dem negativen Abbruch-Signal die Übung auch abgebrochen wird, der Hund sie also nicht mehr zu Ende macht und einfach nur wiederholt, besteht nicht die Gefahr, dass der Hund sein falsches Verhalten bspw. durch die Fortsetzung der Übung selbst belohnt.
  • Insbesondere wenn man das negative Abbruchsignal so konditioniert hat, dass der Hund dies als Vorwarnung für eine schlimmere Sanktion erkennt, hat man die Chance es in der Prüfung auch einzusetzen, um den Hund wieder unter Kontrolle zu bekommen.
  • Insbesondere in komplexen Übungen kann man bei gutem Timing dem Hund sehr gut klar machen, welcher Teil der Übung falsch war, so dass der Hund die Chance bekommt genau an dieser Stelle der Verhaltenskette sein Verhalten zu ändern.
Nachteile
  • Wer für eine bevorstehende Prüfung trainiert oder in der Prüfungssituation selbst, kann den Hund nicht in der Übung für richtiges Verhalten loben. Hier besteht dann die Gefahr, dass der Hund die Situation deutet, als wenn er etwas falsch gemacht hat, denn im Training hat der Hund ja gelernt, nur wenn er etwas richtig macht, kommt das Lob, alles andere lohnt sich nicht.
  • Der Hund lernt nicht, auch mit negativen Abbruchsignalen umzugehen. Das kann gerade bei sensiblen  Hunden nachteilig sein, gerade wenn in Gruppenübungen auf Prüfungen die anderen Hundeführer ihren Hunden mit entsprechenden Tonfall oder Signalwort klar machen, dass das falsch war.
  • Es gibt unerwünschte Verhaltensweisen von Hunden die selbstbelohnend sind. Diese lassen sich in der Regel nicht durch ignorieren abstellen, bspw.:
    • anderen Hunden im Training Spielzeug klauen
    • bellen, als Stressventil, aus Frust oder aus Spaß am Bellen
    • mit dem Apportel über den Platz pesen, statt es zu bringen oder am Apportel zu zerren, statt es abzugeben.
    • anstupsen/hacken nach dem Hundeführer beim Fußlaufen oder in anderen Situationen
    • Arbeiten vor Anweisung, insbesondere in den „Spaßübungen“ für die meisten Hunde, wie Box, Apportieren, Hürde.
    • aggressives Verhalten insbesondere in Gruppenübungen
    • spielen mit anderen Hunden
  • In der Prüfungssituation hat man so keine Chance den Hund kurzfristig wieder zu einem erwünschten Verhalten zu bringen.
  • Wenn das negative Abbruchsignal für den Hund nicht klar „negativ“ belegt ist, sondern zu „sanft“ und „nett“ klingt, wie das häufig verwendete Wort „Schade“, könnte das der ein -oder andere Hund durchaus als „Lob“ und damit Bestätigung für das unerwünschte Verhalten ansehen.
  • Sehr sensible Hunde könnten bei sehr häufiger Verwendung eines negativen Abbruchsignals durchaus frustriert und gestresst werden und die Arbeit verweigern oder im Lernen gehemmt sein.
  • Ständige und erfolglose Verwendung (der Hund ändert sein Verhalten nicht) des negativen Abbruchsignals für das gleiche falsche Verhalten, könnte dazu führen, dass der Hund das Abbruchsignal mit dem unerwünschten Verhalten verknüpft und dieses Verhalten bei der Verwendung dann natürlich erst recht zeigt.
  • Bei zu regelmäßiger Verwendung kann das negative Abbruchsignal seine Wirkung durch „Gewöhnung“ verlieren. Lediglich, wenn man dann auch durchsetzt, dass der Hund bspw. auch zum HF zurückkommt, statt die Übung zu Ende zu machen, wird dem Hund auf jeden Fall klar sein, dass sein Verhalten nicht richtig war.

Meine Meinung dazu

Natürlich kann man die Auffassung vertreten, ein Hund für den man in der Prüfungssituation ein Abbruchsignal braucht, um ihn wieder zu erwünschtem Verhalten zu bringen, ist nicht prüfungsreif. Aber auch für jeden noch so erfahrenen Hund und Hundeführer kommt es sicherlich mal zu Situationen in der Prüfung, auf die der Hund mit Verhalten reagiert, dass nicht erwünscht ist. Im besten Fall ist damit nur die Prüfung versaut, im schlimmsten Fall merkt der Hund sich, dass in der Prüfungssituation sein Verhalten keine Konsequenzen hat. Weder positive noch negative. Ein solcher Hund arbeitet sicher weiter im Training mit, da wird er ja auch gelobt und kann sich seine Belohnung verdienen. In der Prüfung aber nicht. Hier muss man dann darauf vertrauen, dass der Hund auf die Belohnung  nach der Prüfung wartet. Wenn der Hund so viel Selbstdisziplin aber nicht hat, wird er auf Dauer Wege finden, seine Triebe auch in der Prüfungssituation zu befriedigen.

Ignorieren von Fehlern setzt voraus, dass das unerwünschte Verhalten den Hund nicht zum Triebziel bringt, sprich nicht selbstbelohnend ist. Genauso wenig wie man einen Hund vom „Klauen vom Esstisch“ abbringen kann, indem man dieses Verhalten ignoriert, kann man ihm auch auf dem Hundeplatz oder im Alltag Verhalten abtrainieren, das selbstbelohnend ist.

Beispiel

Ein Hund rennt für sein Leben gerne. Beim Schicken zu Pylo springt er volle Kanne auf den Pylo und schiebt diesen durch die Gegend. Natürlich kann man das Verhalten ignorieren, die Übung neu beginnen und „hoffen“, dass der Hund diesmal vernünftig zum Pylo rennt und stoppt. Aber ein solches Verhalten zeugt offenbar davon, dass der  Hund Spaß ohne Ende an der Übung hat und zwar an der Übung selbst, nicht unbedingt an der Belohnung die er für die korrekte Ausführung bekommt. Warum sollte der Hund aber sein Verhalten ändern, nur weil man es ignoriert? Er hat ja seinen Spaß, er darf rennen und nicht nur einmal, sondern zig mal. Je häufiger er das Verhalten zeigt, desto häufiger darf er die Übung machen. Also bestätigt man das falsche Verhalten eigentlich dadurch, dass er die Übung wiederholen darf. Und wenn er irgendwann müde ist, und vielleicht mit weniger Tempo zum Pylo rennt und korrekt stoppt bekommt er die Belohnung vom Hundeführer, denn er hat es ja jetzt endlich richtig gemacht. Ein schlauer Hund lernt also: Wenn ich mit Spaß auf den Pylo springe, darf ich das ganze noch 50x wiederholen und habe Spaß dabei. Und wenn ich dann keinen Bock mehr habe, kriege ich dann für die richtige Ausführung auch noch mein Leckerchen … Warum sollte ein solcher Hund sein Verhalten abstellen?

Richtig wäre in einem solchen Fall, wenn der Hund schon im Ansatz zeigt, dass er mit Spaß „auf den“ nicht „zum“ Pylo rennt, ihn gar nicht erst bis zum Pylo zu lassen, sondern vorher zu stoppen, damit der „Spaßfaktor“ nicht als Bestätigung für sein Verhalten dient. Aber dazu braucht man ein negatives Abbruchkommando. Die Alternative dazu wäre höchstens die Übung „positiv“ zu beenden, indem man dem Hund ein gegensätzliches Kommando gibt, für dessen Ausführung man den Hund dann bestätigen kann. Das funktioniert aber auch nur dann, wenn dieses Kommando den gleichen oder einen höheren Spaßfaktor für den Hund hat, denn warum sollte er sonst seine „Spaßübung“ beenden. Wenn der Spaßfaktor der geänderte Übung aber genauso hoch oder höher ist, wird der Hund ja auch für sein Verhalten, dass man im Ansatz erkennen konnte bestätigt.

Es gibt sicherlich Situationen und Verhalten, die selbstbelohnend für den Hund sind und die man auch ändern kann, indem man dem Hund ein gegensätzliches Verhalten für dieses Siutationen beibringt.  Die Frage ist immer, ob man etwas findet das den Hund so positiv motiviert sein Verhalten zu ändern, so dass man überhaupt erst einmal eine Chance hat, ein besseres oder korrektes Verhalten zu belohnen und damit zu fördern. Die andere Frage ist, kann der Hund in der Situation überhaupt noch lernen? Oder ist er so gestresst (positiv oder negativ) dass er gar nichts „abspeichern“ kann.  Ausschließlich positive Bestätigung setzt voraus, dass der Hund in der Lage ist unerwünschtes Verhalten zu erkennen und willens ist, für die „versprochene“ Belohnung dieses Verhalten zugunsten des gewünschten Verhaltens aufzugeben. Im Zweifel heißt das also, wenn der Hund dauerhaft und ohne Pause nur das unerwünschte Verhalten zeigt, kann man das erwünschte nicht bestätigen und folglich kann der Hund auch nichts lernen. Dann muss zunächst ein Weg her, den Hund von seinem unerwünschten Verhalten abzubringen oder gar nicht erst dahin kommen zu lassen, dieses Verhalten zu zeigen. Und das ist manchmal gar nicht einfach, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

Warum manchmal nur ein negatives Abbruchsignal zum Ziel führt

In der Vergangenheit habe ich drei Jahre versucht, das „Bellen“ meiner Zicke in verschiedenen Übungen mit positiven Methoden zu beseitigen. Aber das ist aus vielen Gründen misslungen. Ganz im Gegenteil das Problem wurde immer größer. Während sie anfangs nur bei der Fußarbeit quitschte und beim Sprung über die Hürde bellte, wurde daraus im Laufe der Zeit Dauerbellen während der ganzen Fußarbeit und in allen Übungen in denen sie mit Tempo von mir weglaufen durfte, also Box, Apportieren, Hürde, Geruchsidentifizierung. Die Gründe dafür sind aus meiner Sicht einleuchtend, wenn man davon ausgeht, dass der Hund aus drei Gründen bellt. Das Quitschen ist nur eine Vorstufe des Bellens.

  • Spaß (immer wenn sie rennen durfte, kam beim Start ein Freudenbeller der sich später zum Dauerbellen während des Laufens ausweitete)
  • Frust (wenn sie zu lange auf die Triebbefriedigung warten musste)
  • Ungeduld (wenn es ihr nicht schnell genug ging mit der Fortsetzung der Übung)

 

Meine Reaktion auf unerwünschtes Verhalten „bellen und quitschen“ Verhaltensänderung des Hundes Meine Schlussfolgerung/erklärung dafür
Ignorieren des Verhaltens und bestätigen des Hundes, wenn er nach einer Weile leise war. Der Hund wurde kontinuierlich lauter und das quitschen und bellen dauerte länger an. Der Hund lebte in der Erwartungshaltung, gleich kommt das Lob (in Form von Spielzeug) und seine Trieblage wurde dadurch immer höher. Die war aber Ursache für die Lautstärke und folglich dauerte es immer länger bis sie zum Triebziel kam. Dieser Kreislauf führte am Ende dazu, dass aus einzelnen Bellern ein Dauerbellen wurde.
Ignorieren des Hundes, solange er bellt. In einer bestimmten Phase hatte sie das Problem, dass sich aus Frust vor oder neben mich gestellt hat und mich regelrecht verbellt hat. Ich bin einfach wortlos vom Platz gegangen und habe sie stehen lassen wo sie stand, manchmal 45 Minuten lang. Keine Änderung. Sobald sie leise und entspannt war und ich wieder zu ihr ging reichte es, irgendeine Übung zu machen, oder bspw. „Fuß“ zu sagen und sie bellte wieder. Wenn ich das „Fuß“ wegließ und einfach anging bellte sie spätestens ab der nächsten Kehrtwendung oder im Winkel. Nur das Verbellen vor/neben mir war einem gelegentlichen Bellen gewichen bis zur nächsten Frustattacke. Logisch, denn sie war sofort beim Weiterarbeiten wieder von 0 auf 180 und sie hat gar nicht verstanden, dass das „ignorieren“ was mit ihrem Verhalten (bellen) zu tun hatte. Folglich gab es für sie auch keinen Anlass ihr Verhalten zu ändern. Zudem war sie nun noch frustrierter, weil sie die ganze Zeit warten musste, wärend die anderen Hunde spielten und arbeiten durften.
Ich bin mir ihr auf den Platz und habe angehalten und gewartet, sobald sie anfing zu quitschen und bin erst weitergegangen bis und solange sie leise war. Sie hat sich natürlich nach einer Weile etwas „beruhigt“ und war auch vorrübergehend leiser, aber oftmals hat es 45 Minuten gedauert bis ich die Mitte vom Platz erreicht hatte und sobald ich auch nur 3 Schritte Laufschritt versuchen wollte, war das bellen, nach mir hacken und quitschen wieder da. Genau wie das Bellen in allen anderen Übungen. Auch das ist logisch, denn sie war ja weiterhin in der Erwartungshaltung endlich was tun zu dürfen um sich ihr Spielzeug zu verdienen und je länger sie warten musste, desto ungeduldiger wurde sie.
Das Bellen beim Sprung über die Hürde (mit Apportieren) habe ich versucht zu beheben, indem eine Hilfsperson sich auf das Apportel gestellt hat, wenn sie gebellt hat, so dass sie sich nicht durch den Spaßfaktor des Apportierens selbst für das Bellen bestätigen konnte. Aus einem Beller beim Absprung wurde ganz schnell Dauerbellen einschließlich verbellen der Hilfsperson und hacken in deren Schuhe. Auch das ist logisch, denn der Hund hatte meiner Meinung nach einfach nicht verstanden, dass es um das bellen ging und war folglich total gefrustet, dass er das Apportel nicht bekam. Frust förderte aber wiederum das Bellen und das Bellen verschaffte ihr noch mehr Frust.
Ignorieren des Bellens (beim Apportieren, Hürde etc.) und wiederholen der Übung bis sie leise war. Danach überschwengliches Lob und Spielen. Wenn nach 10 oder 20 Fehlversuchen eine „leise“ Ausführung der Übung kam, führte das Lob dann dazu, dass sie gleich wieder auf 180 war und in einer Erwartungshaltung die dann dazu führte, dass sie gleich wieder quitschte und in der nächsten Spaßübung wieder das Bellen da war. Auch das ist logisch, denn leise war sie nicht, weil sie ihr Verhalten geändert hat, sondern weil sich nach zig Fehlversuchen einfach keinen Bock mehr hatte und daher der „Spaßfaktor“ fehlte. Damit war auch das Spaßbellen weg. Das Lob dafür hat sie aber nicht auf das fehlende „Bellen“ bezogen und folglich konnte sie auch nicht lernen, dass sie nicht bellen soll. Ganz im Gegenteil hat das Lob dazu geführt, dass ihre Stimmung wieder besser und ihre Erwartungshaltung gesteigert war und folglich wieder der Spaßfaktor da und die Erwartungshaltung die dafür sorgten, dass sie wieder in der passenden Stimmung zum Bellen war.
Ich habe den Hund beim ersten Beller kommentarlos wieder vom Platz gebracht. Beim zweiten oder dritten Anlauf war sie noch lauter noch ungeduldiger und so hoch im Trieb, dass sie gar nichts mehr vernünftig gemacht hat. Klar, sie hat ja nicht verstanden, dass es um das Bellen ging und war jetzt total gefrustet weil sie arbeiten wollte und nicht durfte.

Aber nicht nur „ignorieren“ hat  keinen Erfolg gehabt. Ich war auch zwischenzeitlich so gefrustet und genervt von ihrer Lautstärke und der Tatsache, das nichts funktionierte, dass ich sie auch phasenweise angebrüllt habe, wenn sie gebellt hat. Natürlich war sie dann gestresst und hat mit Frustbellen geantwortet, was mich dann natürlich noch mehr geärgert hat und so war der Kreislauf perfekt.

Mir war relativ schnell klar, dass die Lautstärke von meinem Zickchen mit ihrer aktuellen Stimmung und Erwartungshaltung zu tun hatte, denn anfangs hatte sie das Problem nur auf dem eigenen Platz, wo es Schutzdienst gab. Je mehr ich aber auf Anraten diverser „Ausbilder“ mit Spielzeug statt Leckerchen bestätigt habe, desto mehr dehnte sich das Problem auch auf andere Plätze aus und war auch in anderen Situationen da (bspw. Spaziergang) wenn ich Spielzeug dabei hatte.

Ebenso klar war mir von Anfang an, dass Zickchen es gar nicht (mehr) merkt, ob sie bellt oder quitscht, sondern dass das ein „Nebeneffekt“ ihrer Stimmung ist, den sie bewusst gar nicht steuert, so wie auch wir dumme Angewohnheiten haben, die wir selbst nicht merken, wohl aber andere. Wenn sie aber nicht wahrnimmt dass sie laut ist, kann sie auch nicht lernen, dass es das Bellen ist, das falsch ist.  Und folglich wird sie auch nicht erkennen können, dass sie ab und an deshalb gelobt wird, weil sie nicht bellt.

Nur nach einer Weile war das ja auch gar nicht das Problem, denn es gab die Situation in der sie leise war ja gar nicht mehr. Wann hätte ich sie dann loben sollen. Und noch dazu hat jedes Lob dazu geführt, dass sie wieder von 0 auf 180 war und somit gleich wieder in der Stimmung in der sie laut war.

Wie das Bellen abzustellen war, war mir auch ganz klar. Sie musste sich auf eine Aufgabe konzentrieren und zwar auf die Lösung der Aufgabe nicht auf die Belohnung danach, denn wenn sie sich konzentriert, auf was auch immer, war sie leise. Das Problem war aber, sie dazu zu bringen sich zu konzentrieren, möglichst natürlich auf mich oder die Übungen ohne in der Erwartungshaltung an die Belohnung zu leben.

Im ersten Anlauf habe ich sie zum Pylo geschickt. Hat sie gebellt, habe ich sofort „Nein“ gesagt und sie zurückgerufen, so dass sie gar nicht bis zum Pylo rennen durfte. Das haben wir dann wiederholt bis sie ohne bellen bis zum Pylo gelaufen ist. Die ersten Male, wo dann von mir kein „Nein“ kam, hat sie sich ganz erstaunt umgesehen, hat dann aber recht schnell Fortschritte gemacht. Nach ca. 14 Tagen war es dann so, dass sie meist nach nur einem Versuch (mit nur einem einzigen Beller) gleich ohne Bellen zum Pylo gelaufen ist und das dann auch für alle anderen Übungen gleich auf Anhieb richtig gemacht hat.

Gleichzeitig habe ich Spielen auf dem Platz komplett eingestellt und nur noch mit Leckerchen und Streicheleinheiten bestätigt.  Eigentlich hatte das eine gute Wirkung. Auf der nächsten Prüfung hat sich aber gezeigt, dass sie offenbar nur wegen der reduzierten Erwartungshaltung leise war, nicht weil sie verstanden hatte, dass es um das Bellen ging, denn auf der Prüfung  hat sie dann wieder Bellattacken ohne Ende gehabt.

Als nächstes habe ich dann mit einem negativen Abbruchkommando gefolgt vom Geräusch einer Klapperdose/Trainingsdisc gearbeitet. Wenn sie gebellt hat, kam von mir das „Nein“ und jemand anders hat dann die Disc oder Klapperdose nur auf den Boden fallen lassen bzw. geschüttelt. Bereits nach dem ersten Mal, war sie schlagartig leise und hat den Rest der Übungsstunde nicht mehr gebellt und das ohne dass sie den Eindruck gemacht hat, dass sie gestresst war. Nach Wiederholung in der nächsten Übungsstunde war das Bellen ganz weg, das quitschen deutlich besser und ist inzwischen auch fast ganz weg.

Warum? So genau weiß ich das nicht. Ich denke sie konzentriert sich jetzt darauf, das blöde Geräusch zu vermeiden und weil sie sich konzentriert bellt sie nicht. Das erklärt auch, das sie seit dem auch konzentrierter in der Fußarbeit ist, auch wenn das noch verbesserungswürdig ist. Inzwischen hat sie aber auch verstanden, dass es um das Bellen geht, denn wenn ihr doch alle paar Übungsstunden mal ein Beller rausrutscht, dann bricht sie den mittendrin ab, so als wenn ihr dann wieder einfällt:

Huch, ich sollte ja leise sein …

Weil ich immer darauf geachtet habe, erst „Nein“ zu sagen und dann kam die Dose zum Einsatz, ist es jetzt so, dass sie so auf das „Nein“ konditioniert ist, dass es jetzt ausreicht, wenn sie mit quitschen anfängt, dass ich „Nein“ sage. Dann ist sie wieder leise.

Das hat sogar in der gestrigen Prüfung funktioniert. Zwischen zwei Übungen hat sie wegen meines Lobs wieder etwas aufgedreht und hat 2x gebellt. Auf mein „Nein“ war sie dann wieder leise und hat alle Spaßübungen ohne Bellen absolviert, mit ausnahme von 2-3 Übungen, wo ein „Freudenquitscher“ beim Start kam. Aber gar kein Vergleich mehr zu früher.

Und jetzt hat sie wieder die Chance auch positive Erfahrungen zu machen, denn weil sie leise ist, kann ich sie auch für gut durchgeführte Übungen belohnen, denn das ging ja vorher in der Regel nicht. Selbst wenn sie super schnell zum Pylo gelaufen ist, dabei aber gebellt hat, konnte ich sie nicht loben. Denn fehlerhaftes Verhalten (hier also das Bellen) sollte ja ignoriert werden. Und da sie immer (oder fast immer) gebellt hat, war das mit dem Loben auch nicht so einfach. Wenn sie dann mal leise zum Pylo gelaufen ist, dann meist weil sie müde und langsam war. Ich hab sie zwar dann auch schon mal trotz des Tempos gelobt, aber eigentlich war auch das ja nicht richtig, denn ich bestätige dann ja das langsame Laufen, was ja eigentlich nicht gewollt ist.

Jetzt ist sie schnell UND leise. Die gestrige Prüfung hat gezeigt, dass es funktioniert und zwar besser als das ignorieren unerwünschten Verhaltens, denn so war sie durch das „Nein“ zwischen zwei Übungen wieder in eine für die Übungen passende Trieblage zu versetzen. Natürlich gibt es immer noch die Freudenquitscher und auch gelegentliches Quitschen oder einzelne verhaltene Beller in der Fußarbeit. Aber sie lässt sich wieder unter Kontrolle bringe und  Ich denke, sie hat es verstanden. Wenn ich jetzt noch meinen Teil dazu beitrage und ihr beim Fußlaufen nicht mehr im Weg stehe :-) wird sie ein super Obedience-Hund werden.

Mein persönliches Fazit

Für mich persönlich bin ich zu folgendem Schluss gekommen. Dem muss keiner folgen und ich kann mir vorstellen, es gibt eine Menge Hunde die zumindest das, worauf es im Hundesport ankommt ganz ohne negatives Abbruchsignal lernen.

Für mich bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass zumindest für Verhaltensprobleme, die nicht eine einzelne Übung betreffen sondern sich über mehrere Übungen auch unterschiedlicher Art erstrecken, nicht die Änderung des Übungsaufbaus und eine positive Belohnung des richtigen Verhaltens zum Erfolg führt. Hier ist nicht der Übungsaufbau der Grund, sondern  andere Ursachen und daher bringt auch das Umstellen des Trainings nichts. Man muss dem Hund dann schon klipp und klar sagen, was falsch ist, damit er überhaupt eine Idee entwickeln kann, in welche Richtung er sein Verhalten ändern soll. Und das kann man nicht, wenn der Hund einen tollen Richtungsapport macht, aber dabei bellt und man dann die komplette Verhaltenskette ignoriert und den Hund die Übung wiederholen lässt. Denn ignoriert man das Gesamtergebnis, woher soll der Hund dann wissen, was falsch war?

  • falsches Holz?
  • falsches Tempo?
  • bellen?
  • knautschen?
  • oder vielleicht ne ganz falsche Übung?

Nur mit einem passenden Abbruchsignal im richtigen Moment, nämlich dann wenn der Hund bellt bzw. das unerwünschte Verhalten zeigt, habe ich überhaupt eine Chance dem Hund klar zu machen, dass das „bellen“ das falsche war. Genau wie ich ja auch deshalb im richtigen Moment klicke um das richtige Verhalten zu bestätigen.

Und nur wenn der Hund das erkennen kann, kann er auch sein diesbezügliches Verhalten ändern. Und nur, wenn der Hund sein Verhalten in eine „positivere“ Richtung ändert, kann man dieses auch bestätigen und fördern. Und wenn der Hund „Spaß“ an seinem unerwünschten Verhalten hat, muss das Abbruchkommando eine so große Sanktion für den Hund darstellen, dass er motiviert ist, sein Verhalten zu ändern.

Sicherlich kann man (auch ich :-) ) die Verwendung des negativen Abbruchsignals auf ein Minimum beschränken. Allerdings wird es für den Hund deutlich schwieriger sein die richtigen Schlüsse zu ziehen, wenn manchmal sein Fehlverhalten ignoriert wird und manchmal ein Abbruchsignal kommt.

Wer mag und was dazu sagen möchte, kann das gerne tun.

Schicken in die Box- Problem: Der Hund läuft nicht weit genug in die Box und steht nach der Kehrtwende auf oder zu knapp am Boxband

Ein sehr häufiger Fehler beim Schicken in die Box ist, dass der Hund am Ende auf dem vorderen Boxband liegt und damit keine Punkte mehr für die Übung bekommt. Da hilft es dann auch nicht, dass er schnell und geradlinig in die Box gelaufen ist und sehr schön mitgearbeitet hat. Pfote über dem Boxband sind 0 Punkte.

Ursache dafür ist in aller Regel falsches Training, das gerade bei hochmotivierten Hunden schnell zu diesem unangenehmen Effekt führt.

Ursache 1: zu langweiliger, voraussehbarer Übungsaufbau

Wenn du deinem Hund die Box mit Target beigebracht hast, hast du sicher das Target immer in die Boxmitte gelegt. Das ist auch nicht falsch. Nur, wenn der Hund einmal gelernt hat, zur Boxmitte zu laufen, dann weiß er natürlich auch, bin ich am Target und das liegt ja kurz hinter dem vorderen Boxband, dann kommt das Kommando. Was für ein Kommando ist erst mal egal, denn ob du den Hund nun stehen lässt oder gleich ins Platz rufst, der Hund rechnet mit dem Kommando und hat damit die Möglichkeit, exakt am Target oder in der Boxmitte, wenn dein Kommando kommt, zu wenden. Abhängig davon, wie groß und wie schnell der Hund ist, ist er mit dem nächsten Sprung nach der Wendung schon am Boxband. Du hast dann kaum die Chance ihn rechtzeitig zu stoppen.Verstärkt wird das Problem noch, wenn du einen Hund hast, der auf der Hinterhand wendet und dein Timing beim Kommando das nicht berücksichtigt. Das solltest du auf jeden Fall mal beobachten, wie dein Hund aus vollem Tempo wendet. Bleiben die Hinterläufe fix am Boden und dreht er sich um die Hinterläufe oder bleibt er vorne stehen und dreht die Hinterhand um die Vorderhand? Denn, wie der Hund normalerweise die Wendungen ausführt ist auch wichtig für dein Timing beim Stoppen.

Tipp:

Wendet dein Hund auf der Vorderhand, ist es eigentlich optimal, wenn du ihn stoppst, sobald sich seine Vorderbeine kurz hinter dem vorderen Boxband befinden. Wendet dein Hund aber auf der Hinterhand, solltest du ihn stoppen, wenn er sich im hinteren Drittel der Box befindet.

Nun aber zurück zum Problem. Das Problem bei diesem Übungsaufbau ist, dass der Hund weiß was kommt. Er weiß, dass er in der Boxmitte am Target gestoppt wird und er rechnet damit. Er hat also nicht gelernt, wie es die Prüfungsordnugn also vorsieht, solange geradeaus zu laufen, bis er gestoppt wird.

Verstärkt wird das Problem bei vielen Hunden noch, wenn du längere Zeit ohne Target trainierst, weil der Hund die Box ja „eigentlich kann“. Denn, wenn der Hund kurz vor der Box schon erkennt, da liegt gar kein Target, fehlt ihm dann oftmals die Motivation, weit genug durch zu laufen.

Ursache 2: falsche Bestätigung

Eine zweite mögliche Ursache, die oftmals auch gemeinsam mit der ersten Ursache verantwortlich ist, ist eine falsche Bestätigung. Der Hund ist bestrebt nach dem Laufen in die Box möglichst schnell wieder bei dir zu sein, weil bei dir die Bestätigung kommt, entweder Leckerchen oder Spielzeug, das du ihm gibst oder vielleicht sogar nach hinten schmeißt. Der Hund hat also gelernt, er muss zwar die Boxmitte erreichen, denn da ist das Target oder dann erfolgt der Click oder eine verbale Bestätigung, aber die Bestätigung selbst, die gibt es nur bei dir, also ist es aus seiner Sicht sinnvoll, sich möglichst wenig von dir zu entfernen und den Abstand zu dir möglichst gering zu halten.

Möglichkeiten zur Fehlerbehebung

Egal, welche der beiden Ursachen, auf deinen Hund zutreffen, (außer du hast nur ein schlechtes Timing), hilft folgende Lösung immer. Bei dem einen Hund dauert es etwas länger, bei dem anderen geht es schneller, aber es funktioniert.

Du musst auf jeden Fall, wieder mit Target trainieren, auch wenn du das zuletzt weggelassen hast. Und zwar ganz konsequent. Das Target muss immer da sein, aber es muss nicht immer in der Box liegen. Ganz im Gegenteil. Zunächst legst du das Target in etwa in die Mitte, wo der Hund es gewohnt ist und verschiebst es dann immer weiter nach Hinten, bis es auf dem hinteren Boxband liegt. Dann kannst du auch wieder ein paar Mal das Target weiter nach vorn legen. Wichtig ist, dein Hund soll lernen, solange zu laufen, bis er das Target findet, also auch über die Boxmitte hinauszulaufen. Du kannst das Target auch ruhig mal hinter die Box legen. Wichtig ist dann aber, darauf zu achten, dass der Hund die Box durchquert und nicht etwa außen um die Box herum zum Target läuft. Im Endeffekt variierst du also die Lage des Targets und dieses sollte sich immer im hinteren Drittel der Box oder sogar auf dem hinteren Boxband befinden. Der Hund lernt dadurch, dass er solange gerade aus läuft, bis er das Target findet. Klappt das, darfst du ihn auch wieder vor erreichen des Targets stoppen oder das Target ab und an weglassen. Spätestens dann, solltest du auch deine Bestätigung variieren, damit dein Hund sich nicht zu dir orientiert.

  • Das erreichst du, indem du deine Belohnungen variierst. Das heißt, statt dem Hund immer die Belohnung zu geben, wenn er bei dir ist, bringst du viel mehr Abwechslung rein.
  • einmal wirfst du das Spielzeug oder den Futterbeutel über den Hund hinter die Box, damit er nach hinten aus der Box rauslaufen muss.
  • ein anderes Mal stoppst du ihn und wirfst ihm das Spielzeug zu, wenn er in der Box steht, noch vor dem „Platz“.
  • dann schmeißt du das Spielzeug über den Hund rüber, wenn er noch in die Box rennt und stoppst ihn gar nicht.
  • wieder ein anderes Mal  bringst du ihn in der Box ins Platz und gehst zu ihm, um ihm sein Spielzeug oder Leckerchen zu geben.

Wenn dein Hund entsprechenden Gehorsam hat, kannst du auch ein Spielzeug hinter die Box legen. Wenn der Hund dann korrekt ind er Box steht oder liegst, kannst du ihn mal zu seinem Spielzeug schicken und ein anderes Mals zu dir rufen oder ihm ein zweites Spielzeug zuwerfen. Wichtig ist, dass der Hund nicht weiß, was kommt in der Box und wohin muss ich dann laufen, damit er die Richtung nicht schon beim Stoppen vorwegnehmen kann.

Achte auf dein Timing

Wenn du das Target weiter nach hinten positionierst, solltest du wie oben schon geschrieben mal beobachten, wie dein Hund beim Stoppen wendet, damit du den richtigen Zeitpunkt für dein „Stopp“-Kommando findest. Gerade bei Hunden, die sehr schnell sind und dabei noch sehr lange Sprünge machen, ist das besonders wichtig, denn wenn dein Kommando zu spät kommt, sind sie hinten aus der Box raus, oder nach der Wende schon wieder über dem vorderen Boxband. Und wenn dein Hund auf der Vorderhand wendet, darfst du das Target nicht ganz so weit nach hinten in die Box legen.

Nachtrag

Wenn du das Target auf oder sehr nach an das Boxband legst, kann das sein, dass der Hund auf Dauer die Position in der Box mit dem Boxband verknüpft. Das ist aber auch von Hund zu Hund verschieden. Du solltest in diesem Fall versuchen, die Position des Targets häufig zu varrieren  und häufiger wieder weiter vom Boxband entfern zu legen.

Zudem ist es wichtig, dass du bei einem Hund der die Box prinzipiell verstanden hatte, zwischendrin auch ab und an das Target weglässt um zu prüfen, ob er sich dann auch vor dem Target stoppen lässt oder dann anfängt mit nach dem Target zu suchen.