Die perfekte Grundstellung

Jede Übung, nicht nur beim Obedience, sondern auch schon in der Begleithunde-Prüfung, beginnt und endet mit der Grundstellung. Daher ist eine „perfekte“-Grundstellung schon mal eine gute Basis für jede Prüfung. Aber was zeichnet eine perfekte Grundestellung aus?

Wie eine perfekte Grundstellung aussehen sollte

beschreibt die Prüfungsordung. Der Hund sollte

  • Aufmerksam
  • dicht der linken Seite des Hundeführers
  • parallel zu diesem
  • mit Schulter des Hundes auf Kniehöhe des Hundeführers
  • sitzen.

Im Prinzip also ganz einfach :-)

Aber schon die „Schulter auf Kniehöhe des Hundeführers“, ist eine Definition, die für einige Hunde schwer zu realisieren ist, denn gerade bei großen und sehr langen Hunderassen besteht das Problem, dass die Hunde, wenn ihre Schulter auf Kniehöhe ist, ihre Pfoten deutlich vor den Füßen des  Hundeführers stehen, weil sie oftmals gar nicht steil genug sitzen können. Das wiederum ist auch nicht erwünscht.

Was aber jeder Hund kann, ist eng und parallel zum Hundeführer und in etwa auf gleicher Höhe sitzen. Und das ist eine Frage des Trainings.

Wie soll die Grundstellung eingenommen werden?

Wenn feststeht, wie die Grundstellung aussehen soll, stellt sich die Frage, wie diese vom Hund eingenommen werden soll. Ich bin der Meinung, hier wird beim Training in vielen Vereinen und auch in den meisten Obedience-Büchern zu  wenig Wert drauf gelegt, denn ich finde die Frage des „Wie“ schon ganz wichtig. Warum?

Ganz einfach. Es gibt im Grunde zwei Methoden und oft wird die gewählt, die der Hund anbietet. Ich gebe ja zu, das habe ich auch getan, bei meinem Engelchen :-) Aber der hat mir die Methode angeboten, die ich (im Nachhinein betrachtet) auch immer empfehlen würde. Damals war mir das auch eigentlich egal. Ich habe seine Methode, einen 180°-Sprung in die Grundstellung zu machen, aber aus verschiedenen Gründen zu schätzen gelernt.

Hintenrum laufen oder ein 180°-Sprung an die Seite?

Die Methode die man eigentlich am häufigsten sieht, ist, dass der Hund aus dem Vorsitz oder wenn er auf den Hundeführer zuläuft und sich in die Grundstellung begibt, links am Hundeführer (aus Sicht des Hundes) am Hundeführer vorbeiläuft, hinter ihm wendet und sich dann an die linke Seite des Hundeführers setzt.

Skizze eines Hundes, der aus dem Zulauf den Hundgeführer umrundet, um die Grundstellung einzunehmen

Um die Grundstellung einzunehmen kann der Hund den Hundefuehrer umrunden

Bei dieser Methode bestehen meiner Erfahrung nach mehrere Probleme.

Insbesondere große Hunde, umrunden den Hundeführer in einem recht großen Bogen, denn sie müssten sich sonst stark biegen. Zum einen sieht der Bogen nicht besonders schön aus, zum anderen besteht dadurch die Gefahr, dass der Hund sich schief neben den Hundeführer setzt, zu weit hinten sitzt oder zu weit vorne. Die Art und Weise, wie er sich schief hinsetzen kann, ist dabei recht vielfältig. Er kann mit dem Hintern hinter dem Hundeführer sitzen oder hinten weiter weg vom Hundeführer als vorne. Beides ist möglich.

Skizze mit dem Laufweg für eine gerade Grundstellung

Gerade Grundstellungen erfordern dass der Hund gerade auf den Hundeführer zuläuft oder sich nachträglich vor dem Absetzen korrigiert.

Die meisten Hunde setzen sich nur dann gerade neben den Hundeführer, wenn sie so weit hinter den Hundeführer laufen, dass sie nach der Wendung gerade auf ihn zulaufen können. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn da nicht die Sache mit der Obedience-Ringbegrenzung wäre.

Es ist nunmal so, dass auf vielen Hundeplätzen der Platz begrenzt ist und damit auch die Ringgröße. Das heißt um die Übungen sinnvoll unterzubringen, beginnen nun mal viele in der Nähe der Ringbregrenzung und enden dann in der Regel auch da. Und wenn zur Ringbegrenzung nur 2-3m Platz sind und der Hund den Hundeführer in einem weiten Bogen umrundet, passiert es gar nicht selten, dass der Hund dabei den Ring verlässt und dann ist die Übung nun mal mit 0 zu bewerteten. Es bringt also wenig einen perfekten Richtungsapport oder eine perfekte Geruchsidentifizierung zu trainieren, wenn der Hund beim Abschluss der Übung alles zunichte macht, weil er zum Einnehmen der Grundstellung den Ring verlässt.

Aber das war noch nicht alles, was bei dieser Methode aus meiner Sicht ungünstig ist. Es gibt noch eine Reihe mehr:

  • Viele Hunde neigen dazu, wenn sie ohnehin um dich rumlaufen müssen, dass sie dann schon im Vorsitz schief sitzen, um schneller in die Grundstellung zu gelangen.
  • Die meisten Hunde, die auf diese Weise die Grundstellung einnehmen, haben nie gelernt ihre Position in der Grundstellung zu korrigieren, das heißt, um die Grundstellung zu korrigieren, laufen sie erneut eine Runde um dich rum. Spätestens bei den Schritten rückwärts (ab Klasse 1) und seitwärts (ab Klasse 3) gibt es dann Probleme, denn was macht der Hund dann wohl, wenn du „Fuß“ sagst und zurückgehst? Da er nie gelernt hat sich zu korrigieren, wird er um dich rumlaufen um die Grundstellung einzunehmen. Im besten Fall sieht das nur blöd aus, im schlechtesten fällst du beim zweiten Schritt rückwärts über den Hund.
  • Bei den Wendungen auf der Stelle, ab Klasse 2  wird es ebenfalls zu Problemen kommen, denn auch da kann der Hund die neue Grundstellung nur durch Umrunden des Hundeführers einnehmen.
  • Befindet sich der Hund beim Umrunden hinter dir, ist er aus deinem Blickfeld weg. Das reduziert deine Kontrollmöglichkeiten erheblich, denn wenn er dann etwas sieht und Gas gibt, kannst du ihn kaum vor Verlassen der Ringbegrenzung stoppen. Zudem neigen viele Hunde, gerade beim Apportieren dazu, sich in „unbeobachteten“ Momenten mit dem Apportel aus dem Staub zu machen. Auch dazu haben sie dann Gelegenheit.

Hinweis

Natürlich kann man einem Hund, der auf diese Weise die Grundstellung einnimmt auch beibringen, sich in der Grundstellung zu korrigieren und die Wendungen auf der Stelle korrekt zu machen. Ich bin allerdings der Meinung, dass dies viel aufwändiger ist. Und natürlich ist es eine Frage des Gehorsams, ob der Hund es ausnutzt, wenn er nicht mehr unter Beobachtung ist, aber wie sagt man so schön „Gelegenheit macht Diebe“.

Skizze eines Hundes der die Grundstellung mit 180°-Grad-Wendung einnimmt.

Die zweite Möglichkeit die Grundstellung aus dem Vorsitz einzunehmen ist der Sprung oder die Wendung auf der Stelle um 180 Grad

Die 180°-Grad-Wendung, bzw. der 180°-Grad-Sprung in die Grundstellung hat dagegeben eine Menge Vorteile.

  • Macht der Hund dies mit viel Schwung, sieht es es sehr freudig und elegant aus.
  • Dein Hund ist immer in deinem Blickfeld.
  • Selbst wenn der Hund zu viel Schwung hat, wird er spätestens, wenn er an deinen Bein „anschlägt“ gestoppt und sitzt dann in der Regel gerade, eng und in der passenden Höhe neben dir.
  • Dein Hund kann niemals versehentlich den Ring verlassen.

Tipp:

Ich würde in jedem Fall meinem Hund den Sprung aus dem Vorsitz in die Grundstellung beibringen, denn auch, wen du den Vorsitz nicht machst, sieht es deutlich eleganter aus, wenn der Hund auf diese Weise die Grundstellung direkt einnimmt.

Den 180°-Sprung trainieren

Fraglich ist jetzt also, wie du deinem Hund beibringst auf diese Weise in die Grundstellung zu kommen. Im einfachsten Fall fängst du damit schon im Welpenalter an. In diesem Fall solltest du deinen Welpen immer mit Futter in der linken Hand richtig aus dem Vorsitz in die Grunstellung führen und in der Grundstellung bestätigen. Wenn du ihm niemals zeigst, dass er auch hintenherum laufen kann, werden das 99% aller Hunde auch nicht tun.

Wenn dein Hund schon etwas älter ist und bereits gelernt hat, hinten um dich rum zu laufen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Diese hängen auch davon ab, wie tief das schon im Hund drin sitzt. Viele Hundeführer sorgen aber gerade mit zusätzlichen Handzeichen dafür, dass ihr Hund hinten herum läuft. Von sich aus, würden das viele Hunde gar nicht tun, denn sie müssen dann den weiteren Weg laufen. Die meisten Hunde sind aber durchaus effizient und würden immer den kürzesten Weg wählen.

Du solltest daher folgenden Test durchführen:

  1. Setze deinen Hund hin und stelle dich vor ihn oder bringe ihn anderweitig in den Vorsitz.
  2. Sieh nun den Hund nicht an, sondern einfach gerade über ihn hinweg. Stecke die Hände in die Tasche oder tue sie auf den Rücken.
  3. Gib nun das Kommando für die Grundstellung, in der Regel „Fuß“.
  4. Wiederhole das ganz, ca. 10 x und beobachte, wie der Hund die Grundstellung einimmt.

Es gibt nun drei mögliche Ergebnisse des Tests.

Dein Hund nimmt die Grundstellung immer auf die gleiche Weise ein. In diesem Fall hat der Hund diese Möglichkeit die Grundstellung einzunehmen schon wirklich verinnerlicht. In diesem Fall ist es vielleicht ratsam wenn du für die andere Methode die Grundstellung einzunehmen ein neues Kommando einführst.

Dein Hund nimmt die Grundstellung mal auf die eine und mal auf die andere Weise ein. In diesem Fall hast du eine gute Basis für das Training. Du bestätigst in diesem Fall einfach nur die richtige Methode und belegst die unerwünschte, das hintenherum Laufen, mit einem negativen Abbruchsignal oder ignorierst es einfach nur.

Dein Hund nimmt die Grundstellung gar nicht ein. Das heißt dann, dein Hund hat das Kommando für die Grundstellung noch gar nicht verstanden und regiert, auf andere Signale bspw. ein Handzeichen. Dann solltest du zunächst weiter daran arbeiten, dem Hund das Kommando für die Grundstellung zu vermitteln. Erst wenn er auf das Kommando in die Grundstellung kommt, egal wie, kann er überhaupt eine Idee entwickeln aus dem Vorsitz auf das Kommando hin, in die Grundstellung zu kommen.

Läuft dein Hund immer um dich herum, hat er keine Idee, wie er sonst die Grundstellung einnehmen soll. In diesem Fall musst du ihm diese Idee erst einmal geben. Dazu kannst du eine der folgenden Methoden wählen.

Tipp:

Beginne am besten mit der ersten und probiere sie alle der reihe nach aus, wenn du nach einer gewissen Trainingszeit keine Fortschritte bemerkst.

Nimm ein hochwertiges Spielzeug oder Leckerchen in die Hand und halte es für den Hund gut sichtbar so vor deinen Körper, dass der Hund gerade vorsitzt. Gib nun das Kommando für die Grundstellung, freundlich aber fordernd. Die allermeisten Hunde werden jetzt den Blick nicht von ihrer Belohnung lassen wollen und daher auch von sich aus vermeiden, hinter dir herum zu laufen, denn dann gibt es einen Moment, wo sie die Belohnung nicht mehr sehen können.

Reicht das alleine nicht, unterstütze deinen Hund, indem du dich so hinstellst, dass rechts von dir eine Wand, ein Zaun oder ein anderes Hindernis ist, was den Hund hindert, wie gewohnt um dich herum zu laufen. Lass ihm dann ruhig Zeit, dränge ihn nicht, damit er selbst auf die Idee kommt, wenn es auf der einen Seite nicht geht, eben anders in die Grundstellung zu kommen.

Sollte auch das alleine noch nicht reichen, nimm zusätzlich ein Leckerchen in die linke Hand und „führe“ den Hund damit in die Grundstellung.

Tipp:

Wichtig ist in jedem Fall, dass du ihn ausgiebig lobst, sobald er auf die gewünschte Weise in die Grundstellung kommt. Wichtig ist Anfangs vor allem, dass er keinen Versuch mehr unternimmt doch um dich herum zu laufen und dass er am Ende gerade und korrekt neben dir sitzt. Wie er da hin kommt ist zunächst, solange er nicht um dich herum läuft, völlig egal. Er wird mit der Zeit ohnehin seine eigene Technik finden und das wird in aller Regel, sofern die Belohnung für die Grundstellung wichtig genug für ihn ist, der kürzeste Weg sein.

Fehler vermeiden

Es gibt einige wenige Hunde, die auch nach einer gewissen Trainingsdauer nicht von selbst auf die Idee kommen, durch eine 180°-Wendung in die Grundstellung zu „rutschen“. Stattdessen laufen Sie zwar, wenn man sie hindert auf der rechten Seite des Hundeführers vorbei zu laufen, zwar links vorbei, machen dann aber dort einen weiten Bogen und müssen dazu aus dem Vorsitzen vor dem Hundeführer eine starke Wendung  machen (blaue Linie) oder sie laufen gerade am Hundeführer vorbei und machen hinter ihm eine Kehrtwende (rote Linie). Beides ist zwar etwas besser als komplett hinter dem Hundeführer herumzulaufen. Dennoch ist auch das nicht sinnvoll und das Ziel der Aktion.

Der Hund läuft jetzt nicht mehr um den Hundeführer herum, macht aber dennoch hinter ihm eine Kehrtwende oder einen weiten Bogen auf dessen linker Seite.

Solchen Hunden solltest du in kleinen Schritten die passende Technik beibringen. Dazu stellst du dich so schräg aber noch recht dicht neben den sitzenden Hund, als wenn dieser eine schräge Grundstellung macht, so dass der Winkel zwischen dir und deinem Hund ca. 30° beträgt. Aus dieser Position heraus gibst du nun das Kommando für die Grundstellung und versuchst dem Hund zu helfen, dass er ohne ganz aufzustehen nur seinen Hintern an dich ranrückt. Klappt das bei einem 30°-Winkel gut und flüssig, vergrößerst du den Winkel zwischen dir und deinem Hund allmählich, bis du wieder auf 180° bei einem geraden Vorsitz angelangt bist.

Der Hund lernt in kleinen Schritten in die Grundstellung zu rutschen

Durch immer größere Winkel zwischen dir und deinem Hund lernt der Hund allmählich auch größere Distanzen durch „Rutschen“ und nicht durch „laufen“ zu überwinden.

 

Vom „Rutschen“ zum Springen

Wenn dein Hund erst einmal gelernt hat, durch Rutschen in einer 180°-Wendung in die Grundstellung zu kommen, ist es bei den meisten Hunden nur eine Frage des Tempos und des „Spaßfaktors“, ob sie das eher gemütlich durch „rutschen“ oder durch einen kleinen Hüpfer oder zumindest eine sehr flüssige Bewegung machen.

Wenn du einen temperamentvollen Hund hast, und gerne hättest, dass er auf der Stelle senkrecht nach oben springt, sich im Sprung um 180° wendet und beim „Landen“ perfekt in der Grundstellung sitzt, kannst du das im Prinzip nur trainieren, indem du dem Hund sein Lieblingsspieli oder Leckerchen in Aussicht stellst und ihn so animierst möglichst schnell in die Grundstellung zu kommen. Macht er dann den gewünschten Hüpfer kriegt er natürlich eine überdimensionale Belohnung dafür. Kommt er nur „normal“ in die Grundstellung, gibt es eben nur eine kleine Belohnung. Wichtig ist, dass der Hund ab und an ein Erfolgserlebnis hat. Nur dann kann er lernen was du von ihm willst.

Im Allgemeinen machen die meisten Hunde das jedoch von selbst, wenn sie ausreichend motiviert sind. Mein Engelchen hat das früher von sich aus gemacht und  es sah immer toll aus. Jetzt, in fortgeschrittenem Alter, macht er das leider auch nicht mehr. Ist ihm aber nicht übel zu nehmen, wenn wir auf die 80 zugehen, vollbringen wir auch keine sportlichen Höchstleistungen mehr.

Du solltest daher auch immer bedenken, ob dein Hund altersgebedingt und von seinem Gesundheitszustand und/oder Gewicht überhaupt in der Lage ist, einen solchen Sprung zu machen. Kleinen und leichten Hunden fällt das sicherlich deutlich leichter als großen und schweren. Wenn ein Hund übergewichtig ist und damit deutlich mehr Gewicht bewegen muss als für seine Statur  und seinen Körperbau normal ist, solltest du ihn erst auf Diät setzen, bevor du so etwas von ihm verlangst.

Futter oder Spielzeug – (k)eine Glaubensfrage!

In den vergangenen Jahren war ich auf zig Seminaren zum Thema Hundeausbildung, egal ob Basisausbildung, VPG-Unterordnung oder Obedience. Darunter waren eine ganze Reihe Seminare, wo die Aussage kam „Futter zur Belohnung ist schwachsinnig“. Der Hund braucht Spielzeug zur Motivation. Wenn dann von mir oder anderen Teilnehmern die Frage kam „Und was ist mit Hunden, die nicht spielen wollen?“ dann gab es zwei mögliche Antworten:

  1. Mit solchen Hunden kann man nicht trainieren, die soll man zu Hause auf die Couch schicken
  2. dann muss man ihnen das Spielen beibringen.

Letzteres ist natürlich schwierig und gelingt nicht bei allen Hunden. Aber eine solche Aussage ist deutlich sinnvoller, als die erste Alternative. Natürlich kann man einen Hund auch mit Futter belohnen oder mit ganz anderen Dingen, eine Streicheleinheit, ein nettes Wort vom Hundeführer oder ein Wettlauf mit Herrchen. All das kann als Belohnung für den Hund weit mehr Wert und viel wichtiger sein, als ein Zerrspiel mit Beißwurst oder das Werfen von Bällen.

Und darauf kommt es schließlich an. Etwas zu finden, was den Hund motiviert, wofür der Hund alles tun würde, um es zu bekommen.

Prioritäten kennen und nutzen

Tipp

Egal ob du mit Futter oder Spielzeug belohnen willst, oder vielleicht auch mit beidem im Wechsel. Probiere ruhig verschiedene Belohnungen aus und beobachte deinen Hund. Bei vielen Hunden kann man sehr gut erkennen, welche Rangfolge die einzelnen Belohnungen für ihn haben, bspw. welches Spielzeug für ihn wichtiger  ist und welche unwichtiger. Und das zu wissen, kann manchmal ganz entscheidend für das Training sein.

Meine Malinois-Hündin Lexa, hat bspw. folgende Prioritäten (aufsteigend):

  1. Trockenfutter
  2. Frolic
  3. Katzen(nass)futter
  4. Fleece-Spieltau
  5. Beißwurst
  6. Kong
  7. eine bestimmte Sorte Ball
  8. alles was quitscht

Da sie ein Hund ist, der sehr schnell von 0 auf 100 ist und sich dann nur schwer beruhigt, muss ich schon sehr genau überlegen, wie ich sie mit was bestätige. Das Spieltau ist meist das Mittel der Wahl. Alles höherwertige ist bestimmten Übungen vorbehalten.

Kong

Kong

Möchte ich sie besonders ruhig haben, bspw. bei der Fußarbeit, da neigt sie zum Bellen, bekommt sie da nur Futter und zwar so lange, bis sie ruhig und entspannt ist. Dann und nur dann kriegst sie für besondere Leistung mal ein Spielzeug.

Mein Labi-Mix hat da ganz andere Prioritäten. Das höchste ist für ihn Leberwurst oder Katzen(nass)futter. Für ihn sieht die Reihenfolge so aus:

  1. Tennisball
  2. einfacher Ball
  3. Vollgummiball
  4. Kong
  5. Ball mit Glöckchen
  6. Ball mit Quitscher (oder anderes Quitschespielzeug)
  7. Trockenfutter
  8. Frolic
  9. Hundewurst/Fleischwurst
  10. Katzennassfutter/Leberwurst

Zerrspiele mit Spieltauen, Beißwürste oder Bälle mit Band sind für ihn mehr eine Strafe als eine Belohnung und das hat sich auch nach 11 Jahren Training nicht geändert. Was sich aber bei ihm antrainieren ließ, ist der Spaß am Spielen insgesamt.  Zwar spielt er immer noch nur mit bestimmten Spielzeugen und bei ihm besteht das Spiel darin, ich werfe das Spielzeug und er holt es, aber daran hat er zwischenzeitlich Spaß und kann das trotz fortgeschrittenem Alter auch 20 x am Stück machen. Das war früher ganz anders. Im Alter von 1-2 Jahren (ich habe ihn erst mit 11 Monaten bekommen) ist er einmal  hinter dem Ball hergelaufen, jedes weitere Mal war für ihn mehr eine Strafe als eine Belohnung.

Man kann vielleicht sagen, da ist im Welpenalter was falsch gelaufen, man hätte da schon das Spielen fördern müssen. Das mag sein. Ich weiß nicht, wie und ob da mit ihm gespielt wurde. Ich kann nur sagen, der ist nicht der Typ für Zerrspiele und mehr der klassische Apportierhund. Das merkt man an seiner Art zu Spielen und das hat sich über die Jahre auch nicht ändern lassen. Ich habe lange gebraucht, um zu erkennen, welche Spielzeuge ihm Spaß machen und welche weniger. Aber das war eine wichtige Erkenntnis, die uns weiter gebracht hat.

Tipp

Wenn dein Hund auch lieber frisst als spielt, bestätige das Bringen von Spielzeug einfach mit Leckerchen. Das hat bei meinem „Engelchen“ wunderbar funktioniert, nicht von heute auf morgen aber im Laufe der Zeit hat er mit Spielzeug etwas Positives verknüpft. Hilfreich ist auch, viele verschiedene Spielzeuge zu verwenden. Zum einen kannst du dann erkennen, ob er Prioritäten hat, zum anderen ist das Spiel für den Hund viel interessanter, wenn er nicht weiß, was da geflogen kommt. Alternativ kannst du natürlich auch  einen Futterbeutel werfen, aus dem du ihn fütterst, wenn er ihn gebracht hat. Später gehst du dazu über, den Futterbeutel durch anderes Spielzeug zu ersetzen und wenn er damit ankommt, bekommt er sein Futter.

Welche Prioritäten der Hund bei den Motivationsmitteln hat, ist für das Training mancher Übungen durchaus wichtig, so bspw. für das „Abrufen mit Steh“ oder den Metallapport, wenn der Hund Metall nicht gerne in die Schnauze nimmt.

Tipp

Wenn du herausfinden willst, welches Spielzeug dein Hund als höherwertig betrachtet und welches als minderwertiger, kannst du das wie folgt ermitteln. Nimm den Hund, lege ihn so ab, dass er dich beobachten kann. Wenn er nicht genug Gehorsam hat, um liegen zu bleiben, wenn du dich mit seinem Spielzeug entfernst, binde ihn an, oder bitte jemanden ihn festzuhalten. Nimm seine Spielzeuge und zeige sie ihm, dass er sieht, dass du mit den Spielzeugen weggest. Lege diese sichtbar für den Hund in 5 bis 10 m Entfernung ab. Gehe zum Hund und erlaube ihm, sich eines zu holen. Beobachte nun, welches Spielzeug sich der Hund nimmt. Wiederhole diesen Versuch ein paar Mal und achte darauf, die Spielzeug in unterschiedlicher Reihenfolge abzulegen. Damit kannst du ausschließen, dass er zufällig das erste nimmt, das er erreicht. Das Spielzeug, dass er sich am häufigsten nimmt, ist offenbar das für ihn wichtigste. Wiederhole nun den Test (eventuell auch an einem anderen Tag oder nach einer Pause), ohne dieses Spielzeug, nur mit den restlichen. Das vom Hund als wichtigste beurteilte Spielzeug nimmst du immer aus, bis am Ende nur noch ein Spielzeug über ist. Dann hast du eine Reihenfolge der Prioritäten deines Hundes, die du für das Training nutzen kannst.

Wie wichtig ist Spielzeug für das Training wirklich?

Ich bin der Meinung, optimal ist ein Hund, der sich über Spielzeug und Leckerchen freut. Leckerchen lässt sich allerdings auch durch andere Motivationsmittel mit/beim Hundeführer ersetzen, bei Spielzeug ist das nicht immer möglich. Es gibt durchaus Übungen, wo es sinnvoll ist, wenn man den Hund auf Distanz bestätigen und überraschen kann. Bei diesen Übungen, dazu gehört, bspw. das „Schicken zum Kegel“ oder in „die Box“ sowie auch das „Abrufen mit Steh“ ist es nützlich, wenn man den Hund bestätigen kann, indem man ihm das Spielzeug zuwirft.  Und dazu ist dann noch ein Spielzeug notwendig, dass sich auch gut werfen lässt. Spieltaue, sind da meist zu leicht, für größere Entfernungen. Bälle lassen sich deutlich präziser werfen.

Wenn dein Hund sich aber gar nicht zum Spielen motivieren lässt und du keine Frikadellen oder Würstchen über den Platz schmeißen möchtest :-) heißt das nicht, dass du diese Übungen nicht trainieren kannst. Dann kann die Nutzung des Clickers eine gute Alternative für die Bestätigung auf Distanz sein oder du musst einfach eine andere Methode wählen. Vielleicht dauert es länger, aber vielleicht ist die alternative Methode auch genau die Richtige für dich und deinen Hund.

Mit dem Clicker belohnen?

Vielfach hört man, der Hunde würde mit dem Clicker belohnt werden. Aber das ist nicht ganz richtig. Richtig eingesetzt bestätigt der Click mit dem Clicker erwünschtes Verhalten. Die Bestätigung erfolgt aber in der Form, dass du dem Hund vorher beigebracht hast, nach dem Click kommt die Belohnung. Er kündigt also die Belohnung an und die Belohnung (das kann Futter, Spielzeug oder auch eine Streicheleinheit oder ein lobendes Wort vom Hundeführer sein) muss auf jeden Fall folgen! Du kannst nicht den Hund erst auf den Clicker konditionieren, ihm also beibringen, dass nach dem Click die Belohnung kommt und später nur noch klicken ohne Belohnung. Dann geht auch die Konditionierung auf Dauer verloren und der Click verliert für den Hund die Bedeutung.

Das schöne am Clicker ist aber, dass du ganz präzise dann klicken kannst, wenn der Hund das richtige Verhalten zeigt. Wenn du ohne Clilcker nur mit Spielzeug belohnst, kommt es recht häufig vor, dass der Hund schon keine korrekte Fußposition mehr zeigt, im Eifer und in Erwartung des Spielzeugs das Apportel fallen gelassen oder die Box verlassen hat, wenn du das Spielzeug aus der Tasche holst. In dieser Beziehung bin ich durchaus ein Clicker-Fan, wenngleich ich auch nicht alles mit Clicker trainiere.