Apportieren: Problem 1 – Der Totalverweigerer

Leider gibt es eine große Zahl Hunde, die mit Apportieren nicht viel am Hut haben und die so überhaupt nicht zu motivieren scheinen, etwas aufzuheben und zu bringen. Da „Apportieren“ aber wie die Box eine wesentliche Übung ist allen Obedience-Klassen ist, ist das natürlich ein großes Problem. Es gibt da aber verschiedene Ansätze das zu beheben:

  • Zwangsapport: Leider immer noch bei vielen VPG-Sportlern das Mittel der Wahl. Scheidet aber für einen Obedience-Hund nicht nur aus moralischen Gründen aus, sondern auch, weil man damit einen Hund bekommen, der spätestens am Richtungsapport in Klasse 2 scheitert. Denn ein Hund der Apportieren mit Zwang gelernt hat, wird vor lauter Panik immer das erstbeste Apportel bringen, was er sieht. Darüber hinaus fehlt bei den meisten Hunden, die auf diese Weise ausgebildet wurden, die Arbeitsfreude.
  • Apportieren über Spiel- oder Beutetrieb: In der Regel funktioniert das nur bei Hunden, die ansich Spaß am Spielen haben und das können ja im wesentlichen nur Zerrspiele oder Apportierspiele sein und dann sollte der Hund eigentlich gar kein Totalverweigerer bzgl. Apportieren sein, denn über den Beutetrieb lässt sich in der Regel das Apportieren recht schnell aufbauen. Allerdings hat das oftmals zu Folge, dass der Hund knautscht, das heißt auf dem Apportel herumbeißt und es im Fang dreht. Das dann wieder abzubauen ist oftmals schwierig. Einige Hunde machen dann auch Probleme beim Abgeben des Apportels und geben es nicht ab oder machen sich damit aus dem Staub.

Hinweis

Sollte ein Hund mit Spiel- oder Beutetrieb dennoch das Apportieren gänzlich verweigern, ist meiner Meinung nach im Welpenalter schon etwas falsch gelaufen. Vermutlich, wurde dem Welpen allzu häufig verboten, Dinge aufzuheben und zu tragen, bspw. weil es aus deiner Sicht das Falsche war, wie deine guten Schuhe oder andere Dinge im Haushalt, die in der Regel in Reichweite des Welpen sind. Eigentlich solltest du dich freuen, wenn der Welpe Dinge aufhebt und trägt und ihn dafür belohnen. Im optimalen Fall, wenn du ihn dabei beobachtet solltest du in dem Moment, wo er es aufhebt, gleich ein „Bring“-Kommando geben, dass du dann später auch beim Obedience nutzen kannst oder nur noch durch das später entgültige Kommando ersetzen musst. Ich gestehe, auch ich, habe das nicht immer beherzigt, hatte aber bei meiner Hündin diesbezüglich keine Probleme, weil die dermassen apportiergeil ist, dass dies das kleinere Problem war.
Und wenn du deinen Hund für das Aufnehmen von Sachen lobst, statt ihm hinterherzujagen um ihm die Dinge wieder abzunehmen, wird er auch gleich lernen, wie toll apportieren ist und dass es sich lohnt damit zu dir zu kommen. Wichtig ist natürlich, dass du dann du immer etwas parat hast, das deinem Welpen wichtiger ist als das, was er aktuell hat, damit sich das „Abgeben“ aus seiner Sicht auch lohnt.

  • Apportieren über Futterbestätigung, funktioniert bei fast allen Hunden, denen Fressen wichtiger als Spielzeug ist und damit in der Regel auch bei den Totalverweigerern. Wichtig ist dabei nur, dass du etwas Geduld aufbringen musst und frühzeitig, möglichst schon im Welpenalter beginnen solltest.

Apportieren über Futterbestätigung, was du dazu brauchst

Wichtig ist, dass du die richtigen Utensilien hast, wenn du möglichst schnell zum Erfolg kommen möchtest und das sind:

  • einen Futter-Dummy, möglichst mit Handschlaufe
  • eine optisch und von Material und Gewicht sehr ähnliche Beißwurst, ebenfalls mit Handschlaufe
  • Futter
  • und einen möglichst hungrigen Hund.

Warum es wichtig ist, das sich Futter-Dummy und Beißwurst ähnlich sind

Im Verlauf des Trainings soll dein Hund lernen, dass es sich rentiert, auch etwas zu holen, wo kein Futter drin ist. Damit er ein paar Mal Erfolg hat und du ihn dafür bestätigen kannst, ist es wichtig, dass er nicht auf den ersten Blick erkennt, dass du nicht den Futter-Dummy, sondern stattdessen die Beißwurst geworfen hast.Darum sollten sich Futter-Dummy und Beißwurst möglichst ähnlich sehen und zwar nicht nur optisch, sondern auch vom Gewicht. Denn sonst würde dein Hund spätestens beim Aufheben merken, das etwas nicht stimmt.

Die groben Schritte

Die Vorbereitung zum eigentlichen Training sieht so aus, dass du deinen Hund aus dem Futterbeutel bzw. Futter-Dummy fressen lässt, um ihn für andere Übungen zu belohnen. Das kannst du schon ganz früh mit 8 Wochen machen.

Wenn der Hund den Futter-Dummy als sehr positiv verknüpft hat, bringst du ihm bei, den Futter-Dummy zu bringen, damit er anschließend daraus fressen darf. Macht er das sicher, führst du für das Aufheben ein Kommando ein.

Im nächsten Schritt bringst du deinem Hund bei, den Futter-Dummy auch ohne Futter zu bringen und später statt des Futter-Dummys die Beißwurst und am Ende statt der Beißwurst das Apportel.

Tipp

Die gleiche Methode funktioniert auch für den Metall-Apport. Es gibt Metall-Apportel, die sich befüllen lassen. Eigentlich mit Sand oder Blei, um das Gewicht zu erhöhen. Aber du kannst natürlich auch Leckerchen reinfüllen und den Hund dann aus dem Metallapportel füttern.

Schritt 1: Vorbereitung

Als erstes muss dein Hund den Futter-Dummy als toll und sehr positiv kennen lernen. Fülle ihn dazu mit Futter oder Leckerlies, die du immer zum Üben verwendest. Immer wenn der Hund nun etwas richtig machst und du ihn mit Futter bestätigst, holst du nun den Futter-Dummy raus, öffnest ihn und lässt deinen Hund aus dem Futter-Dummy fressen.

Tipp

Das kannst du auch später, zwischendurch immer wieder machen, auch dann, wenn du schon bei Schritt 2 oder weiter bist.

Wenn du merkst, dein Hund kann es gar nicht erwarten, dass du den Futter-Dummy öffnest und er sich auf den Inhalt stürzen darf, hat er verstanden, dass das Futter-Dummy toll und voller Futter ist. Jetzt kannst du Schritt 2 starten.

Schritt 2: Bringen des Futter-Dummys

Schritt 2 soll deinen Hund dazu bringen, zunächst den Futter-Dummy zu bringen. Du stellst dazu wieder sicher, dass der Futter-Dummy mit Futter gefüllt ist. Wenn dein Hund jetzt etwas richtig gemacht hat zeigst du ihm den vollen Futter-Dummy, machst ihn auf, zeigst ihm den Inhalt lässt ihn aber nicht fressen, sondern verschließt ihn wieder und schmeißt ihn weg.  Läuft dein Hund hin, animieren ihn mit Gesten und aufmunternden Worten, ihn mitzubringen. Sollte er ihn auch nur einen kleinen Moment hochheben, lobe ihn überschwenglich, gehe zu ihm hin, öffne den Futter-Dummy und lass ihn fressen.

Wiederhole das ein paar Mal. Du wirst sehen, dein Hund wird den Futter-Dummy immer länger festhalten. Versuche die Zeit zu nutzen und den Hund zu animieren mit dem Futter-Dummy zu dir zu kommen. Immer wenn du, der Hund und der Futter-Dummy an einem Platz seid, egal ob du dem Hund zunächst noch entgegen gehst, oder der Hund zu dir kommt, darf er aus dem Futter-Dummy fressen.

Achtung

Es ist dabei ganz wichtig, dass der Futter-Dummy so gestaltet ist, dass der Hund sich nicht selbst daraus bedienen kann. Daher ist ein fester Klettverschluss besser als ein Reißverschluss. Letztere sind oft zu leichtgängig und die Hunde haben schnell raus, wie sich ein Reißverschluss öffnen lässt und machen sich dann über den Inhalt her, ohne den Futter-Dummy zu bringen.

Du kannst Schritt 2 als abgeschlossen betrachten, wenn du auf der Stelle stehen bleiben kannst  und dein Hund zum Futter-Dummy läuft,  ihn aufnimmt und zu dir bringt. Er muss ihn aber noch nicht festhalten und vorsitzen oder in die Grundstellung kommen. Das kommt später. Wichtig ist nur, dass dies zuverlässig und regelmäßig funktioniert.

Tipp

Natürlich kannst du das Bringen des Futter-Dummys auch als separate Übung üben. Du musst dich also nicht darauf beschränken den Futter-Dummy nur als Belohnung für eine andere Übung zu schmeißen.  Das solltest du nur am Anfang tun, damit der Hund eine entsprechende Erwartungshaltung hat, die du ausnutzen kannst.

Schritt 3: Einführen eines „Bring“-Kommandos

Funktioniert das Bringen zuverlässig, führst du das Kommando ein, das du zum Apportieren nutzen willst. Das sagst du zunächst in dem Moment, wo der Hund den Futter-Dummy hochhebt. Das solltest du ruhig 50 Mal oder häufiger wiederholen.

Tipp

Du kannst diesen Schritt auch sehr gut dazu nutzen, um dem Hund Tempo und Spaß am Apportieren beizubringen. Hat er das Futter-Dummy aufgenommen, renne ab und an mal weg und animiere ihn, hinter dir her zu rennen und Tempo zu machen. Dann verknüpft dein Hund direkt Spaß und Tempo mit dem „Bring“-Kommando.

Später gehst du dazu über das „Bring“-Kommando schon zu sagen, wenn dein Hund sich von dir entfernt, um zum Futter-Dummy zu laufen. Dann kannst du bspw. wenn du den Clicker nutzt, klicken, sobald er den Futter-Dummy aufnimmt.

Du kannst zum nächsten Schritt übergehen, wenn dein Hund verstanden hat, dass er nicht nur intuitiv dem Flug des Futter-Dummys folgen soll, sondern ganz gezielt mit dem „Bring“-Kommando den Futter-Dummy aufhebt. Das kannst du wie folgt testen:

  1. Sorge dafür, dass dein Hund sitzt oder liegt und an seinem Platz bleibt. Fehlt ihm noch der nötige Gehorsam sollte eine Hilfsperson ihn an der Leine festhalten.
  2. Zeige ihm den Futter-Dummy und lege ihn ein bis zwei Meter vom Hund weg, auf den Boden.
  3. Falls eine Hilfsperson den Hund an der Leine hält, warte nun ab, bis dein Hund sich so weit beruhigt und entpannst hat, dass er an lockerer Leine sitzt oder liegt.
  4. Gibt ihm nun das „Bring“-Kommando.

Wenn er auf das Kommando reagiert, aufsteht und den Futter-Dummy bringt, hat er das Kommando verstanden. Ansonsten musst du Schritt 3 weiter trainieren.

Tipp

Es ist ganz wichtig, dass du den Futter-Dummy zum Testen auslegst und nicht wirfst, sonst kann du nicht feststellen, ob deinen Hund dein Kommando oder die bewegte Beute veranlasst hinzulaufen.

Schritt 4: Bringen des Futter-Dummys ohne Futter-Inhalt

Nach und nach solltest du das Futter im Futter-Dummy durch anderen Inhalt ersetzen. Du könntest natürlich das Futter einfach reduzieren. Dann wird der Futter-Dummy aber zu leicht und du kannst ihn nicht mehr gut werfen. Besser ist es, du füllst den Dummy nun mit einer Beißwurst aus gleichem Material und reduzierst dann dann das zusätzlich eingefüllte Futter, bis irgendwann kein Futter mehr vorhanden ist.

Dann musst du natürlich den Hund mit Futter bestätigen, dass du in der Tasche hast, wenn er den Futter-Dummy bringt. Denn das soll ja auf jeden Fall für den Hund positiv sein.

Tipp

Ganz wichtig ist dabei, dass der „Ersatzinhalt“ des Futter-Dummys keinen anderen Geruch hat als der Futter-Dummy. Sonst würde der Hund schnell erkennen, ob es sich „lohnt“ ihn zu bringen oder nicht. Daher solltest du den Inhalt aus dem gleichen Material wählen wie den Futter-Dummy, also bspw eine Leder-Beißwurst, wenn der Futter-Dummy aus Leder ist.

Schritt 5: Apportieren der Beißwurst

Bringt der Hund den Futter-Dummy zuverlässig auch, wenn kein Futter drin ist, kannst du zum nächsten Schritt übergehen. Du wirfst abwechseln den Futter-Dummy mit Futter und und bspw. eine Beißwurst, die farblich und vom Material ähnlich dem Futter-Dummy ist. Beides sollte so ähnlich sein, dass der  Hund nicht auf den ersten Blick oder schon vor erreichen des Apportels erkennen kann, ob es der Futterbeutel oder die Beißwurst ist.

Immer wenn der Hund mit dem zu bringenden Gegenstand bei dir ist, bekommt er Leckerchen. Mal aus dem Futterbeutel, mal aus Deiner Hand, immer im Wechsel. Wichtig ist aber, er bekommt immer was!

Klappt auch das zuverlässig, apportiert er die Beißwurst genauso wie den Futterbeutel, kannst du zu Schritt 6 übergehen.

Schritt 6: Umsteigen auf Apportel

Nun wirfst du im Wechsel, den Futter-Dummy, die Beißwurst und das Apportel. Auch hier gilt, immer wenn der Hund es aufnimmt bestätige ihn, bspw. mit einem Click  und immer wenn er damit zu dir kommt, gibt es ein Leckerchen.  Du wirst sehen, der Hund  verinnerlicht in kürzester Zeit, „wenn ich auf ‚Brings‘ etwas zu meinem Hundeführer bringe, kriege ich ein Leckerchen“.

Nun musst du dem Hund nur noch beibringen, den apportierten Gegenstand festzuhalten und vorzusitzen oder damit in die Grundstellung zu kommen. Das ist aber wieder ein anderes Problem und wird demnächst in einem gesonderten Beitrag behandelt.

 

Schicken in die Box – Teil 1: Grundlagen

Die Übung „Vorraussenden in ein Viereck“ meist kurz „Box“ genannt, kommt in allen vier Obedience-Klassen vor und ab 2013 wenn die neue Prüfungsordnung „Beginner“ in Kraft tritt, wird sie die Problemübung schlechtin für die Beginner-Hunde werden, denn Hilfen wie Ablegen der Leine in der Box oder vorheriges Herausrufen aus der Box kann sich der Hundeführer jetzt nicht mehr nutzen. Der Hund muss schon in der „Beginner“-Klasse die Box finden ohne dass er vorher drin gelegen hat.

Ablauf der Übung

Die Box besteht aus vier roten Pylonen (15 cm hoch) mit weißen Streifen (hier ist das Aussehen vorgeschrieben!) sowie einem Band (oder einer Kreidemarkierung) die ein Quadrat mit 3m x 3m Fläche  kennzeichnet. Die Pylonen stehen auf den Ecken der Markierung.

Anmerkung:

Inzwischen habe ich mich dahingehend belehren lassen, dass die Farbe „rot mit weißen Streifen“ nur eine Empfehlung war und nicht bindend und seit der neuen FCI-PO für die Klassen 1 und 2 auch nicht mehr gültig ist. Die Pylonen dürfen also beliebige Farben haben.

Die Obedience-Box besteht aus 4 Pylonen, die durch ein Boxband verbunden sindDie Farbe des Boxbandes (oder der Kreidemarkierung) ist nicht vorgeschrieben, soll aber nicht Breiter als 25mm sein. Auch mehrfarbige Boxbänder sind erlaubt.

Der Hund wird je nach Obedience-Klasse aus 10 bis 25m Entfernung in die Box geschickt (ab Klasse 1 ohne Handzeichen). In Klasse 3 muss der Hund vorher vom Hundeführer aus, 10m zu einem Pylo (in der Regel eine Halbkugel) laufen und dort auf Anweisung anhalten. Dann wird er per Richtungsanweisung nach rechts oder links in die Box geschickt. Allen Klassen gemeinsam ist aber, dass der Hund auf Entfernung die Box erkennen und anlaufen muss. Er soll freudig und mit Tempo (mindestens im Trab) in die Box laufen und im optimalen Fall vom Hundeführer mit einem Höhrzeichen in der Boxmitte gestoppt und anschließend ins „Platz“ gebracht werden.  Abhängig von der Obedience-Klasse geht der Hundeführer dann zum Hund und beendet die Übung mit einer Grundstellung oder dreht vor dem Hund ab und ruft den Hund ab (Klasse 2 und 3).

Hund stoppt in der Box und wendet

Der Hund läuft mit vollem Tempo in die Box und wendet beim „Stopp“-Kommando.

Der Hund steht aufmerksam in der Box

Der Hund hat in der Box gestoppt und schaut aufmerksam den Hundeführer an

Liegender Hund in der Box

Liegt der Hund in der Box, geht der Hundgeführer zu ihm

Hund legt sich in der Box hin

Auf Kommando sollte sich der Hund in der Box auf der Stelle ablegen

Trainingsziele

Trainingsziele sollten also sein:

  • der Hund muss die Box mit den Augen suchen und erkennen
  • die Box auf Anweisung auf kürzestem Weg anlaufen
  • sich prompt aus maximaler Geschwindigkeit stoppen und ins „Steh“ und anschließend ins „Platz“ oder gleich ins „Platz“ bringen lassen
  • sich möglichst selbständig korrigieren, falls er beim Stoppen/Ablegen mit den Pfoten oder anderen  Körperteilen auf oder über der Boxumrandung liegt.

Hinweis

Natürlich darf der Hund auch bei dieser Übung weder vor Anweisung arbeiten (also auch nicht von selbst in der Box stoppen)  oder auf dem Weg in die Box bellen. Er soll im Zweifel solange gerade aus, vom Hundeführer (oder Pylo) weglaufen, bis ein „Stopp“-Kommando kommt.

Sie müssen also einen Weg finden, dem Hund Spaß an der Box zu vermitteln und diese mit den Augen zu erkennen und mit einem Kommando ihrer Wahl (bspw. „Box“) zu verknüpfen.

Trainingsschritte

Zu Zeiten der alten „Beginner“-Prüfungsordnung als der Hund noch in die Box gelegt und von dort abgerufen wurden, und dort eine Leine als Ziel reingelegt werden konnte, gab es im Prinzip verschiedene Möglichkeiten die Box zu trainieren. Das hat sich mit Bekanntwerden der neuen „Beginner“-Prüfungsordnung ab 2013 grundlegend geändert. Schon in der „Beginner“-Stufe muss der Hund die Box verstanden haben.  Es gibt daher aus meiner Sicht nur eine Möglichkeit die Box zu trainieren, Target-Training.

Das Prinzip dabei ist, dem Hund wird zunächst beigebracht zu einem Ziel (Target) zu laufen und wird dort bestätigt, wenn er das Target mit Nase oder Pfote berührt. Später wird das Target dann in die Box gelegt und der Hund mit der Zeit aus einer Entfernung geschickt, aus der er das Target nicht mehr sehen kann. Er lernt dabei zwangsläufig erst mal die Pylonen der Box anzusteuern, denn er hat gelernt, zwischen den vier Pylonen nach seinem Target zu suchen.

Hinweis

„Suchen“ heißt mit den Augen suchen, nicht mit der Nase, denn schnüffeln in der Box ist selbstverständlich auch fehlerhaft. Daher ist auch das Ablegen von Leckerlis in der Box keine Lösung, denn dann wird der Hund irgendwann anfang mit der Nase zu suchen und sogar den Weg in die Box mit tiefer Nase wie auf der Fährte zu suchen.

Auf der Prüfung liegt das Target natürlich nicht drin, aber der Hund kann das auf die Entfernung natürlich nicht erkennt und rennt also erst mal in die Box. Es ist dann deine Aufgabe den Hund so passend zu stoppen, dass er in der Box anhält.

Für das Training sind im Einzelnen folgende Schritte notwendig:

  1. Du bringst deinem Hund bei zu einem Target zu laufen (dass du auf den Boden legst) und dieses mit Nase oder Pfote zu berühren.
  2. Läuft der Hund zuverlässig zum Target, führst du ein Kommando für das Berühren des Targets ein. Ich sage bspw. immer „Touch“. Du kannst natürlich auch „Tipp“ oder „Target“ sagen. Wichtig ist, dass dies ein anderes Kommando sein sollte, als das, was du zum Schicken in die Box verwenden willst.
  3. Läuft der Hund auf Kommando zum Target und das auch aus Entfernungen von 10m und mehr, legst du das Target in die Box.  Jetzt ist es an der Zeit das Kommando für die Box einzuführen. Du schickst den Hund mit einem Doppelkommando, erst das neue Kommando für die „Box“, dann das bekannte für das Laufen zum Target gleich hinterher, bspw. „Box Touch“. Dein Hund wird nach kurzer  Zeit bei dem Kommando für die Box schon loslaufen, denn er weiß ja, jetzt kommt das „Touch“ ohnehin.

In der Theorie funktioniert die Übung jetzt. Sofern dein Hund soviel Gehorsam hat, dass er sich auch von dir exakt stoppen lässt und der Hund nicht auf andere Ideen kommt bzw. du baust irgendwie Fehler ein, durch falsche Bestätigung etc.

Zur Fehlerbehandlung und zur Behebung von Problemen mit der Übung gibt es demnächst einen separaten Artikel.

Vorbereitungen zum Box-Training: Target und Boxband

Du brauchst zum Training drei bis vier Dinge:

  1. 4 Pylonen für die Box
  2. 1 Boxband
  3. 1 Target
  4. 1 Clicker (falls du damit arbeitest, was ich bei der Übung empfehlen würde)

Die Farbe (rot mit weißen Streifen) und Größe (15 cm hoch) für die Pylonen sind vorgeschrieben. Die Farbe des Boxbandes nicht. Die Wahl der Farbe ist daher schon mal nicht unwichtig, denn auf Prüfungen kann deinem Hund alles mögliche begegnen. Häufig werden auf Prüfungen schwarze, rote oder gelbe Boxbänder verwendet. Gerade rote und gelbe Boxbänder haben aber einen großen Nachteil. Die Umrandung des Vierecks in dem die Übungen stattfinden, wird auf Prüfungen in der Regel mit Absperrband gemacht, das flach auf den Boden gelegt wird. Das ist meist rot, rot-weiß oder gelb und hat damit sehr häufig die gleiche Farbe wie das Boxband. Hat der Hund gelernt, das Boxband an der Farbe zu erkennen, kann es passieren, dass er dann über die Ringbegrenzung hinausläuft, weil er das Absperrband für das Boxband hält. Das sieht man auf Prüfungen gar nicht so selten.

Wichtig

Es ist daher ganz wichtig, dass du auch mal trainierst, dass zumindest ein Teil der Ringbegrenzung beim Üben aufgebaut ist. Die sollte dann so 3-5m hinter der Box liegen. Außerdem ist es wichtig, dass deinem Hund die Farbe des Boxbandes egal ist. Das geht am besten, indem du mit vielen verschiedenen Boxbandfarben trainierst  oder bspw. ein mehrfarbiges Boxband nutzt, bei dem jede Seite eine andere Farbe hat. Wenn du den Hund dann von verschiedenen Seiten in die Box schickst, sieht die immer wieder anders aus. Das was gleich bleibt sind die Pylonen an denen sich der Hund dann auch auf Dauer orientiert.

Das Target sollte etwas flaches sein, maximal Bierdeckelgröße, besser etwas kleiner, eine kleine Plexiglas-Platte, ein Stück Teppich, ein Bierdeckel oder bspw. ein Schraubverschluss von einem Glas (bspw. Gemüseglas oder Gurkenglas). Ich verwende immer so einen Schraubverschluss. Die sind billiges Abfallprodukt innen immer weiß, egal welche Farbe sie außen haben und sie haben keine scharfen Kanten, an denen sich der Hund verletzen kann.

Wichtig ist in jedem Fall, dass du immer das gleiche Target nimmst. Also immer Teppich oder immer Deckel und nicht mal das und was anderes. Denn der Hund soll ja wissen wonach er mit den Augen ausschau halten soll.

Tipp

Ich habe schon Hundeführer gesehen, die nehmen dann gerne auch ein Spielzeug als Target oder stellen eine Halbschale rein, so nach dem Motto, dann läuft der Hund auch dahin. Aber darum geht es ja gar nicht. Er soll nicht in die Box laufen, weil er das Target von weitem sieht, sondern weil er weiß, dass innerhalb der Box sein Target liegt, auch wenn er es nicht sieht! Zudem ist natürlich eine Halbschale in die Box zu stellen äußerst ungünstig, denn womöglich verknüpft der Hund mit dem Kommando „Box“ zur nächsten Halbschale zu laufen und auf Prüfungen stehen da immer welche.

Achtung

Absolut verboten als Target sind meiner Meinung nach „Spielzeuge“ auch wenn sie noch so klein sind und Leckerchen (ausgenommen davon flache Dosen/Tuben mit Leckerchen). In aller Regel legen gerade Hundeführer „Spielzeug“ in die Box, deren Hunde total verrückt danach sind. Klar, die Hunde geben dann richtig Gas, das sieht toll aus, verstehen wird der Hund die Box aber so wohl kaum. Denn er ist so fixiert auf das Spielzeug, dass er alles drumherum (also weder Boxband noch Pylos) gar nicht wahrnimmt. Gleiches gilt für Leckerlidosen/-tuben für sehr verfressene Hunde. Leckerchen lose in die Box zu legen, scheidet allein deshalb aus, weil die Stellen in der Box dann danach riechen und nicht nur der eigene, sondern auch die Hunde aller anderen Trainingspartner mit Schnuppern anfangen. Wenn du unbedingt ein Triebmittel in die Box legen willst, darf das maximal eines sein, was dem Hund die Box „interessant“ macht aber keinesfalls das höchstwertige Triebmittel. Das sollte der Hund dafür bekommen, dass der in die Box läuft und später, wenn du mit dem Trainings soweit bist, wenn er in der Box steht.

Ich bin persönlich der Meinung, das Target sollte für den Hund völlig neutral sein und es führt kein Weg daran vorbei, dem Hund zunächst beizubringen, zum Target zu laufen, bevor man es in die Box legt. Einen „schnellen“ Weg, dem Hund die „Box“ klar zu machen, ohne Fehler einzubauen, die später nur schwer wieder auszubügen sind, gibt es eigentlich nicht.

Tipp

Bei Hunden, die sich wirklich kaum motivieren lassen zu einem neutralen Target zu laufen, habe ich auch schon mal ein Leckerchen auf das Target gelegt. Aber eben nieeeemals lose auf den Boden.

Das Laufen zum Target trainieren

Am besten trainierst du das Target mit einem Clicker, denn damit kannst du präzise bestätigen, wenn der Hund am Target ist.  Am besten gehst du wie folgt vor, um das Laufen zum Target zu trainieren:

  1. Halte das Target dem Hund mit ein paar cm-Abstand vor die Nase. Ein normaler, neugieriger Hund wird nun gucken kommen, was das ist und dabei das Target auch mit der Nase berühren. Dann bestätigst du ihn dafür.  Wiederhole diesen Schritt, bis der Hund kapiert hat, wenn er von sich aus (ohne ein Kommando von dir) mit der Nase an das Target stupst, gibt es die Belohnung.
  2. Lege das Target nun vor den Hund flach auf den Boden. Warte wieder ab, bis er auf die Idee kommt, es anzustupsen. Wenn er das mit der Pfote macht ist auch nicht schlimm. Es kommt nur darauf an, dass der Hund nah genug zum Target läuft.
  3. Wiederhole dies, bis der Hund auch aus 2-3m Entfernung zielgerichtet zum Target läuft.
  4. Hat der Hund begriffen, wenn er das Target sieht, es anzustupsen, egal ob auf dem Boden der in deiner Hand, gibt zeitgleich mit dem anstupsen das gewünschte Kommando bspw. „Touch“ und bestätige ihn.
  5. Wiederhole das, bis der Hund irgendwann, schon auf das Kommando „Touch“ zum Target läuft. Dann hat der Hund das Target verstanden.
  6. Wiederhole nun die Übung, bis der Hund mit Spaß zum Target läuft und es auch aus 10-15m Entfernung eifrig und zielstreibig anläuft.

Tipp

Viele apportierfreudige Hunde gehen irgendwann dazu über und stupsen das Target nicht nur an, sondern bringen es gleich mit. Auch wenn ich auf unzähligen Obedience-Seminaren gehört habe, das sollte man doch unterbinden, bin ich der Meinung, wenn der Spaß des Hundes darin besteht das Target zu apportieren, dann ist das schon OK. Der Hund soll ja Spaß haben, denn nur dann läuft er schnell und zielstrebig zum Target. Auf der Prüfung liegt kein Target in der Box, das der Hund mitbringen könnte.  Ich habe meinen Rüden immer das Target bringen lassen, wenn er es wollte. Er hatte halt Spaß daran. Nachteile habe ich keine gesehen, außer, dass ich mehr Bewegung hatte, weil ich es immer wieder wegbringen musste :-)

So geht es weiter …

Wenn der Hund das Kommando für das Target verstanden hat, kannst du es in der Box platzieren. Wichtig ist dabei, dass der Hund die ersten Male noch sieht, dass du oder jemand anderes das Target in der Box ablegt. Du solltest ihn dann aber aus so großer Entfernung in die Box schicken, dass er das Target selbst dann nicht mehr sieht.  Er soll ja lernen, „das Target liegt zwischen den vier Pylonen, also renne ich erst mal auf die Pylonen zu …“.

Später, wenn du den Eindruck hast, dass der Hund sich an den Pylonen orientiert, drehst du große Kreise um die Box und schickst den Hund aus allen Richtungen aus dem Laufen in die Box. Wenn er immer zielgerichtet zum Target in der Box läuft, hat er die Box verstanden, denn er läuft dann nicht einfach nur gerade aus, sondern muss ja, einen leichten Bogen zur Box laufen.
Beim Umrunden der Box wird der Hund von allen Seiten aus dem Laufen in die Box geschickt.

Hinweis

Achte aber unbedingt darauf, dass du die Box links herum umrundest, sonst muss dein Hund erst um dich herum laufen und du bringst dem Hund bei, dass es nicht wichtig ist, den direkten Weg  zur Box zu nehmen.

Im nächsten Schritt gehst du dann dazu über, den Hund von beliebigen Stellen auf dem Platz in die Box zu schicken. Wenn er dann immer noch zielstrebig zum Target in der Box läuft, kannst du das ein- oder andere Mal das Target in der Box weglassen. Wichtig ist dann aber, dass du ihn schnell genug bestätigst, wenn er in der Box ist, auch wenn er sich nach seinem Ausbildungsstand noch nicht dort stoppen lässt.

Im nächsten Artikelteil zur Box geht es dann um das Stoppen in der Box.