Vorbereitungen zum Clicker-Training, die Konditionierung

Konditionierung auf den Clicker bedeutet, dass du deinem Hund beibringst, der Click ist etwas ganz Tolles, das Verprechen einer Belohnung. In etwa so, als wenn man einem Kind verspricht „Wenn du eine 2+ in Mathe schreibst, kriegst du eine Belohnung …“. In etwa das muss der Click für den Hund bedeuten. Der Hund zeigt ein gewünschtes Verhalten, du klickst, während er das Verhalten zeigt und der Hund denkt „Super, das wollte Herrchen/Frauchen also? Und gleich krieg ich was dafür, also gleich noch mal machen, damit ich noch mehr Belohnung kriege …“

Natürlich wird ein Hund nicht im Detail so denken. Angeblich denken sie ja nur in Form von Verknüpfungen, also ein Verhalten erzeugt eine Reaktion  und die ist angenehm oder unangenehm. Ich bin allerdings der Überzeugung, auch Hunde haben ein gewisses strategisches Denken. Aufbauend auf erlerntem und angeborenem Verhalten sind sie sehrwohl in der Lage zu „überlegen“, wie sie am schnellsten ein Ziel erreichen.

Beispiel

Wenn dein Hund schon ein paar Kommandos kennt und ausführt, dann versuch mal folgendes. Stelle dich vor deinen Hund mit seinem Lieblingsspielzeug in der  Hand oder einem Leckerchen und sag ein dem Hund unbekanntes Wort, bspw. „Rasenmäher“. Wichtig ist, dass du das Wort in einem Tonfall sagst, in dem du sonst Kommandos gibst. Da dein Hund das Kommando nicht kennt, ist er in der Regel erst mal ratlos. Wiederhole das Wort im gleichen Tonfall. Und du wirst sehen, mehr oder weniger schnell wird dein relativ ratloser Hund alles probieren was er gelernt hat, in der Hoffnung es ist das dabei, was du von ihm willst und mit dem er sich seine Belohnung verdienen kann. Er wird bspw. nacheinander „Sitz“, „Platz“ etc. ausführen, alles was du ihm schon beigebracht hast.
Für mich ist das der Beleg dafür, dass der Hund strategisch denkt. Er hat ein Ziel vor Augen sein Leckerchen oder Spielzeug und er erkennt, dass du ein Kommando gibst. Mit der Erkenntnis aus dem bisher Gelernten, dass er die Belohnung bekommt, wenn er das Kommando ausführt, versucht er nun das machen, was dich dazu bringt ihm die Belohnung zu geben.

Aber auch ein Wildhund oder Wolf muss diese Form strategischen Denkens kennen, denn sie ist überlebenswichtig. Wenn er Hunger hat, muss er diesen befriedigen und die einzige Möglichkeit dazu ist zu jagen. Der Hund muss also schlussfolgern, wenn ich hunger habe, muss ich jagen, um fressen zu können. Die Jagd ist also das Mittel um vom Ist-Zustand (hungrig) zum Zielzustand (satt) zu kommen und damit ein Mittel zur Bedürfnisbefriedigung. Und wenn der  Hund dann zu der Erkenntnis gelangt ist, um satt zu werden, muss er jagen, dann bedeutet auch dies „stragisches Denken“. Denn es hat wenig Sinn und fördert nicht das Überleben der Art, wenn der Hund dann das größte Tier einer Herde mitten in der Herde angreift und ganz alleine versucht es zu erlegen. Erfolgreicher ist ein Hund bei der Jagd der diese „plant“, erst die anderen Rudelmitglieder versammelt, ein schwaches Tier von der Herde trennt  und diese dann erbeutet. Auch das erfordert strategisches Denken.

Konditionierung versus strategischem Denken

Konditionierung bedeutet aber nun genau das Gegenteil. Der Hund soll nicht mehr darüber nachdenken müssen, was Ursache und Wirkung ist oder wie er ein Ziel erreicht. Konditionierung heißt, der es wird ein Reiz (Click) mit einer Reaktion verknüpft, so dass er Hund den Reiz später mit der Reaktion gleichsetzt, ähnlich einem erlernten Reflex. Der Hund „lernt“, dass der Click gleichbedeutend ist mit Belohnung (Futter, Spielzeug oder beides), er also etwas Positives bedeutet.

Tipp

Es gibt Hunde, die das Geräusch des Clickers nicht mögen und Angst zeigen. Auch mein Labi-Rüde gehörte dazu. Aber das ist eine Frage der Geduld, denn genau mit der Konditionierung kannst du deinen Hund vom Gegenteil überzeugen. Wenn er ein paar mal die Erfahrung gemacht hat, nach dem Click kommt nichts Schlimmes, sondern ganz im Gegenteil sein Lieblingsleckerli, wird er schnell die Angst vor dem Click verlieren und ihn als etwas tolles und schönes ansehen. Wichtig ist dann aber dass die Belohnung unmittelbar nach dem Click kommt und nicht nach oder während des Angstverhaltens.

Konditionierung mit Futter

Bei Hunden, die zumindest zuhause in bekannter ruhiger Umgebung Futter gerne nehmen, empflielt sich die Konditionierung mit Futter. Dazu gehst du so vor.

  • Setze dich gemütlich mit deinem Hund an einen ruhigen Ort mit wenig Ablenkung, bspw. an den Küchentisch, auf die Couch etc.
  • Nimm eine Schale mit Leckerlis und den Clicker.
  • Klicke nun mit dem Clicker und gibt deinem Hund unmittelbar danach oder auch gleichzeitig ein Leckerchen.
  • Wiederhole das ganze 10-20 Mal und das wiederum 5 bis 10 Mal am Tag.

Bei den meisten Hunden reichen zwei Tage, bis die Hunde das verstanden haben. Du kannst das wie folgt testen.

  • Stelle die gleiche Situation her, wie vorher aber nimm noch kein Leckerchen in die Hand.
  • Erzeuge einen Click, gib aber jetzt kein Futter.

Wenn dein Hund nun erwartungsvoll auf deine Hand oder die Leckerli-Schüssel guckt oder anfängt zu sabbern oder fordernd zu stuppsen, hat er verstanden, dass nach dem Klick das Leckerchen folgt. Gib es ihm nun einfach.

Jetzt kannst du die Zeitspanne zwischen Click und Belohnung ausdehnen, erst auf 1 Sekunde, dann auf 2, auf 3 etc.

Tipp

Optimal für den Anfang ist, wenn dein Hund nach einem Click gebannt ca. 30 Sekunden auf die Belohnung wartet, ohne das Interesse zu verlieren. Später kannst du diese Zeitspanne im Training weiter ausbauen.

Konditionierung ängstlicher Hunde und Futterverweigerer

Es gibt nun mal Hunde, die Futter beim Training nicht wollen oder damit einfach nicht zu motivieren sind. Bei diesen Hunden kannst du alternativ auch Spielzeug als Belohnung nehmen. Die Vorgehensweise ist die gleiche, wie beim Futter, nur ist dies etwas langwieriger, da das Spiel zwischendurch natürlich länger dauert, als das runterschlucken des Leckerchens. Es besteht überdies die Gefahr, dass du den Hund in eine Trieblage versetzt ist, in der er schlecht lernt weil er extrem hochfährt und sich nicht mehr konzentrieren kann. Bei Futter ist diese Gefahr deutlich geringer.

Tipp

Erfahrungsgemäß zeigen Hunde (Menschen übrigens auch) mehr Angst in ängstigenden Situationen, wenn sie ruhig sitzen oder liegen und so Zeit haben sich auf die Angst zu konzentrieren. In Bewegung, beim Spiel oder anderen Aktivitäten vergessen viele Hunde ihre Angst. In dieser Situation lassen sie sich daher besonder einfach so konditionieren, dass sie den Click nicht als etwas schreckliches sondern positives empfinden. Wenn du also einen so ängstlichen Hund hast, dass dieser immer rennen geht, sobald du klickst, gehe einfach mit deinem Hund in den Garten oder an einen Ort an dem er sich wohlfühlt. Laufe dabei mit ihm, zeig ihm sein Spielzeug oder ein Leckerchen und lenke ihn damit etwas ab. Unmittelbar mit dem Click schmeißt du ihm dann den Ball und spielst ausgiebig mit ihm bzw. gibst ihm ein Leckerchen. So besteht nich die Gefahr Angstverhalten nach dem Click zu bestätigen. Du wirst sehen, es dauert nicht lange und der Hund nimmt den Click nicht mehr als beängstigend war und kurz danach freut er sich regelrecht, denn „Click“ heißt ja jetzt für ihn, jetzt fliegt sein Spielzeug. Wenn du das schon mal erreicht hast, dann gehst du dazu über, das Spielzeug erst nach dem Click zu schmeißen und verfährst dann wie oben für die Konditionierung mit Futter beschrieben wurde.

Tipp

Einen umfassenden Überblick über Clicker-Training findest du auch als E-Book in zwei Formaten:
– EPUB-Format: Clicker-Training, wie es wirklich funktioniert!
– PDF-Format: Clicker-Training, wie es wirklich funktioniert!
zum Offline-lesen. Viel Spaß damit.

Die Sache mit dem Click

Ebenso kontrovers wie die Wahl des Motivationsmittels wird unter Hundesportlern und Trainern der Einsatz des Clickers diskutiert. Ich persönlich bin der Meinung, man kommt in vielen Bereichen auch ohne Clicker aus, es gibt aber einige Übungen, die sich mit Clicker viel einfacher trainieren lassen. Ich habe lange Jahre ohne Clicker gearbeitet, aus zwei Gründen. Zum einen hatten wir im Verein einen Ausbilder, der davon absolut nichts hielt zum anderen war das, was ich dazu gelesen hatte bis dahin eine Fehlinformation gewesen, nämlich genau die, dass man irgendwann die Belohnung nach dem Click weglässt. Das hatte mir damals einfach nicht eingeleuchtet, denn wenn ich erst den Hund auf den Clicker konditionieren muss, ihm also beibringen muss, der Click ist etwas positives, danach kommt die Belohnung, dann geht natürlich auf Dauer die Verknüpfung bzw. Konditionierung Clicker -> Belohnung auch verloren, wenn die Belohnung nach dem Click nicht mehr folgt.

Irgendwann bin ich dann auf das richtige Buch gestoßen, dass mit dieser Fehlinformation aufgeräumt hat und ich habe den Clicker für mich entdeckt. Es gab dann durchaus Übungen, wie das Apportieren, die der Hund in 7 Jahren Training nicht richtig verstanden hat, die dann in 14 Tagen perfekt funktioniert haben.

Hinweis

Aber der Clicker ist keinesfalls ein Universalmittel für jeden Hund und jeden Hundehalter. du musst ihn auch korrekt und vor allem im richtigen Moment anwenden. Aber anders als bei einer Bestrafung bei Fehlverhalten des Hundes arbeitest du mit dem Clicker nur mit positiver Bestätigung und wenn du da mal im falschen Moment klickst hat das maximal zur Folge, dass du hinterher etwas Zeit brauchst, das fehlerhaft bestätigte unerwünschte Verhalten wieder wegzutrainieren. Aber Meideverhalten durch Bestrafunng im falschen Moment wieder wegzutrainieren ist deutlich schwerer.

Aus meiner Sicht sprechen für den Clicker weit mehr Argumente als gegen ihn. Selbst wenn du ein schlechtes Timing hast und deshalb den Clicker nicht korrekt einsetzen kannst, ist das ja nun nichts was gegen den Clicker spricht. Denn für alternative Ausbildungsmethoden ist schlechtes Timing noch deutlich ungünstiger.  In diesem Fall musst du dein Timing verbessern, um im richtigen Moment zu bestätigen, egal womit.

 

Vorteile des Clickers im Überblick

Die Nachteile im Überblick

  • Bestätigung des Hundes im perfekten Moment
  • Die Übung kann nach dem Click fortgesetzt werden
  • Die Art der Belohnung nach dem Click kann variiert werden
  • Zeitspanne zwischen Click und Belohnung nach dem Click kann fast beliebig ausgedehnt werden
  • Auch eine andere Person kann den Hund per Click bestätigen
  • Bestätigung auf Distanz möglich
  • Ganz nebenbei lernt der Hund „Selbstkontrolle“ und auf die Belohnung (nach dem Klick) zu warten.
  • Das Konditionieren auf den Clicker benötigt etwas Zeit, insbesondere bei Hunden, die ängstlich auf diese Art Geräusche reagieren.
  • Klicks anderer Hundeführer, die gleichzeitig trainieren, könnten vom Hund als „Bestätigung“ verstanden werden.

Mehrere Hunde gleichzeitig

Auch wenn mit mehreren Hunden gleichzeitig trainiert wird, kann man den Clicker durchaus einsetzen, denn zum einen erzeugt nicht jeder Clicker den gleichen Ton, der Hund kann als die Töne durchaus unterscheiden. Außerdem kann der Hund die Richtung unterscheiden, aus der der Click kommt und diesen seinem Hundeführer zuordnen oder eben nicht. Es ist eine Sache des Trainings. Am Anfang, wenn man den Hund auf den Clicker konditioniert, sollte man allerdings dafür sorgen, dass der Hund keine anderen Clicks hört. Später ist ein Training zusammen mit anderen Hundeführern, die ebenfalls den Clicker nutzen, kein Problem.

Wie Training mit Clicker funktioniert

Der Click mit dem Clicker esetzt nicht die Belohnung für richtiges Verhalten, sondern kündigt sie an. Das heißt,  zeigt der Hund erwünschtes Verhalten, klicken Sie, statt in die Tasche zu greifen und ein Leckerchen herauszuholen oder eine Spielzeug aus der Tasche zu holen. Der  Hund weiß nun, sein aktuelles Verhalten ist richtig und dafür wird er später belohnt.

Hinweis

Am Anfang, wenn Sie mit dem Clickertraining beginnen, sollte die Belohnung, also Spielzeug oder Leckerchen unmittelbar nach dem Click folgen, denn der Hund muss ja erst lernen, auf die Belohnung nach dem Click zu warten. Zudem ist das wichtig, um die Konditionierung zu verstärken. Mit der Zeit können Sie aber den zeitlichen Abstand zwischen Click und Belohnung ausdehnen. Und Sie werden sehen, die meisten Hunde, geben Sie in der Zwischenzeit also zwischen Click und Belohnung noch mal so viel Mühe alles richtig zu machen.

Der Hund wird das Verhalten, für das er einen Click bekommen hat, zunehmend öfter zeigen. Manchmal reichen 3-4 präzise Clicks, bis der Hund begriffen hat, um was es geht. Die Art der Belohnung und damit die Motivationslage bestimmen, wie schnell und effizient der Hund lernt.

Vorsicht

Wenn die Belohnung nach dem Click den Hund so hoch motiviert, dass er sich nicht mehr beherrschen kann, weil er nur noch an das Motivationsmittel denken kann, musst du eine Form der Belohnung wählen, die weniger hochwertig ist. Sonst wird dein Hund kein erwünschtes Verhalten mehr zeigen können und durch die fehlende Bestätigung nur frustriert. Daher ist es wichtig, die Präferenzen der Motivationsmittel für deinen Hund im Vorfeld auszuloten. (Mehr dazu?)

Ganz wichtig ist, dass der Click exakt in dem Moment erfolgt, in dem der Hund das erwünschte Verhalten zeigt. Aber das ist mit dem Clicker in der Hand deutlich einfacher als mit der direkten Motivation durch Futter und oder Spielzeug. Beides kannst du in der Regel nicht gut in der Hand halten oder aber der Hund ist dann gleich so erregt, dass er an dir hochspringt, um an den Ball zu kommen oder in deine Finger hackt, um Leckerchen zu kriegen. Der Clicker selbst ist für den Hund völlig uninteressant, denn er weiß, nur der Click bringt ihn zum Ziel.

Gerade das Timing ist der große Vorteil des Clickers, den haben Sie in der Hand und können in Sekundenbruchteilen klicken. Alles andere, müssen Sie in der Regel erst mal aus der Tasche holen oder zumindest zum Werfen eines Spielzeugs Schwung holen, oder die Leckerli-Hand Richtung Hund bewegen. Alle diese Bewegungen nimmt der Hund wahr und hat er einmal begriffen, dass das die Einleitung zum Werfen des Balles oder für die Leckerli-Gabe ist, führt das in aller Regel dazu, dass er sein erwünschtes Verhalten ändert und zwar in ein unterwünschtes Verhalten, bspw, indem er bei der Fußarbeit in Erwartung des Balles schon mal vorprescht oder an dir hochspringt. Wirfst du dann den Ball oder gibst das Leckerchen, bestätigst du genau dieses Verhalten, nicht das erwünschte Verhalten von vorher.

Nutzt du den Clicker zum präzisen Bestätigen, spielt es keine Rolle mehr, ob der Ball dann in einem Moment fliegt, wo der Hund seine Fußposition schon verlassen hat, denn er hat gelernt, dass der Ball für die vorher gezeigte korrekte Position (mit dem Click) fliegt.

Darüber hinaus gibt es einen weiteren wichtigen Vorteil, du kannst deinem Hund beibringen, dass der Click nicht das Ende der Übung ist und er sich dann Futter oder Spielzeug widmen darf, sondern dass der Click nur bedeutet „Das hast du fein gemacht …, gleich gibt es was dafür“. Er kann dann die Übung komplett beenden, was manchmal von Vorteil ist und du hast die Möglichkeit ihn auch im weiteren Verlauf der Übung mit weiteren Clicks zu bestätigen. Am Ende der Übung gibst du ihm dann seine Belohnung für die vorherigen Clicks in Form von Spiel oder Futter (oder auch beidem).

Tipp

Gerade die gemischte Belohnung, mal Spielzeug, mal Leckerchen oder auch nur ein liebes Wort oder Streicheln von dir, macht für den Hund das Training interessant. er kann am Click noch nicht erkennen, was ihn tolles erwartet und befindet sich dann in freudiger Erwartung und voller Aufmerksamkeit auf dich und das was ihn von dir jetzt erwartet. Das ist eine Situation in der du besonders effektiv mit deinem Hund kommunizieren kannst, weil die volle Aufmerksamkeit des Hundes auf dich gerichtet ist. Würdest du immer nur Belohnen, indem du einen Ball nach vorne wirfst, wird der Hund nach dem Click nur nach vorne sehen, wo der Ball wohl landen wird …

Voraussetzung für all das ist, dass du deinen Hund auf den Clicker konditionierst. Weiter lesen ..

Tipp

Einen umfassenden Überblick über Clicker-Training findest du auch als E-Book in zwei Formaten:
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zum Offline-lesen. Viel Spaß damit.

 

Futter oder Spielzeug – (k)eine Glaubensfrage!

In den vergangenen Jahren war ich auf zig Seminaren zum Thema Hundeausbildung, egal ob Basisausbildung, VPG-Unterordnung oder Obedience. Darunter waren eine ganze Reihe Seminare, wo die Aussage kam „Futter zur Belohnung ist schwachsinnig“. Der Hund braucht Spielzeug zur Motivation. Wenn dann von mir oder anderen Teilnehmern die Frage kam „Und was ist mit Hunden, die nicht spielen wollen?“ dann gab es zwei mögliche Antworten:

  1. Mit solchen Hunden kann man nicht trainieren, die soll man zu Hause auf die Couch schicken
  2. dann muss man ihnen das Spielen beibringen.

Letzteres ist natürlich schwierig und gelingt nicht bei allen Hunden. Aber eine solche Aussage ist deutlich sinnvoller, als die erste Alternative. Natürlich kann man einen Hund auch mit Futter belohnen oder mit ganz anderen Dingen, eine Streicheleinheit, ein nettes Wort vom Hundeführer oder ein Wettlauf mit Herrchen. All das kann als Belohnung für den Hund weit mehr Wert und viel wichtiger sein, als ein Zerrspiel mit Beißwurst oder das Werfen von Bällen.

Und darauf kommt es schließlich an. Etwas zu finden, was den Hund motiviert, wofür der Hund alles tun würde, um es zu bekommen.

Prioritäten kennen und nutzen

Tipp

Egal ob du mit Futter oder Spielzeug belohnen willst, oder vielleicht auch mit beidem im Wechsel. Probiere ruhig verschiedene Belohnungen aus und beobachte deinen Hund. Bei vielen Hunden kann man sehr gut erkennen, welche Rangfolge die einzelnen Belohnungen für ihn haben, bspw. welches Spielzeug für ihn wichtiger  ist und welche unwichtiger. Und das zu wissen, kann manchmal ganz entscheidend für das Training sein.

Meine Malinois-Hündin Lexa, hat bspw. folgende Prioritäten (aufsteigend):

  1. Trockenfutter
  2. Frolic
  3. Katzen(nass)futter
  4. Fleece-Spieltau
  5. Beißwurst
  6. Kong
  7. eine bestimmte Sorte Ball
  8. alles was quitscht

Da sie ein Hund ist, der sehr schnell von 0 auf 100 ist und sich dann nur schwer beruhigt, muss ich schon sehr genau überlegen, wie ich sie mit was bestätige. Das Spieltau ist meist das Mittel der Wahl. Alles höherwertige ist bestimmten Übungen vorbehalten.

Kong

Kong

Möchte ich sie besonders ruhig haben, bspw. bei der Fußarbeit, da neigt sie zum Bellen, bekommt sie da nur Futter und zwar so lange, bis sie ruhig und entspannt ist. Dann und nur dann kriegst sie für besondere Leistung mal ein Spielzeug.

Mein Labi-Mix hat da ganz andere Prioritäten. Das höchste ist für ihn Leberwurst oder Katzen(nass)futter. Für ihn sieht die Reihenfolge so aus:

  1. Tennisball
  2. einfacher Ball
  3. Vollgummiball
  4. Kong
  5. Ball mit Glöckchen
  6. Ball mit Quitscher (oder anderes Quitschespielzeug)
  7. Trockenfutter
  8. Frolic
  9. Hundewurst/Fleischwurst
  10. Katzennassfutter/Leberwurst

Zerrspiele mit Spieltauen, Beißwürste oder Bälle mit Band sind für ihn mehr eine Strafe als eine Belohnung und das hat sich auch nach 11 Jahren Training nicht geändert. Was sich aber bei ihm antrainieren ließ, ist der Spaß am Spielen insgesamt.  Zwar spielt er immer noch nur mit bestimmten Spielzeugen und bei ihm besteht das Spiel darin, ich werfe das Spielzeug und er holt es, aber daran hat er zwischenzeitlich Spaß und kann das trotz fortgeschrittenem Alter auch 20 x am Stück machen. Das war früher ganz anders. Im Alter von 1-2 Jahren (ich habe ihn erst mit 11 Monaten bekommen) ist er einmal  hinter dem Ball hergelaufen, jedes weitere Mal war für ihn mehr eine Strafe als eine Belohnung.

Man kann vielleicht sagen, da ist im Welpenalter was falsch gelaufen, man hätte da schon das Spielen fördern müssen. Das mag sein. Ich weiß nicht, wie und ob da mit ihm gespielt wurde. Ich kann nur sagen, der ist nicht der Typ für Zerrspiele und mehr der klassische Apportierhund. Das merkt man an seiner Art zu Spielen und das hat sich über die Jahre auch nicht ändern lassen. Ich habe lange gebraucht, um zu erkennen, welche Spielzeuge ihm Spaß machen und welche weniger. Aber das war eine wichtige Erkenntnis, die uns weiter gebracht hat.

Tipp

Wenn dein Hund auch lieber frisst als spielt, bestätige das Bringen von Spielzeug einfach mit Leckerchen. Das hat bei meinem „Engelchen“ wunderbar funktioniert, nicht von heute auf morgen aber im Laufe der Zeit hat er mit Spielzeug etwas Positives verknüpft. Hilfreich ist auch, viele verschiedene Spielzeuge zu verwenden. Zum einen kannst du dann erkennen, ob er Prioritäten hat, zum anderen ist das Spiel für den Hund viel interessanter, wenn er nicht weiß, was da geflogen kommt. Alternativ kannst du natürlich auch  einen Futterbeutel werfen, aus dem du ihn fütterst, wenn er ihn gebracht hat. Später gehst du dazu über, den Futterbeutel durch anderes Spielzeug zu ersetzen und wenn er damit ankommt, bekommt er sein Futter.

Welche Prioritäten der Hund bei den Motivationsmitteln hat, ist für das Training mancher Übungen durchaus wichtig, so bspw. für das „Abrufen mit Steh“ oder den Metallapport, wenn der Hund Metall nicht gerne in die Schnauze nimmt.

Tipp

Wenn du herausfinden willst, welches Spielzeug dein Hund als höherwertig betrachtet und welches als minderwertiger, kannst du das wie folgt ermitteln. Nimm den Hund, lege ihn so ab, dass er dich beobachten kann. Wenn er nicht genug Gehorsam hat, um liegen zu bleiben, wenn du dich mit seinem Spielzeug entfernst, binde ihn an, oder bitte jemanden ihn festzuhalten. Nimm seine Spielzeuge und zeige sie ihm, dass er sieht, dass du mit den Spielzeugen weggest. Lege diese sichtbar für den Hund in 5 bis 10 m Entfernung ab. Gehe zum Hund und erlaube ihm, sich eines zu holen. Beobachte nun, welches Spielzeug sich der Hund nimmt. Wiederhole diesen Versuch ein paar Mal und achte darauf, die Spielzeug in unterschiedlicher Reihenfolge abzulegen. Damit kannst du ausschließen, dass er zufällig das erste nimmt, das er erreicht. Das Spielzeug, dass er sich am häufigsten nimmt, ist offenbar das für ihn wichtigste. Wiederhole nun den Test (eventuell auch an einem anderen Tag oder nach einer Pause), ohne dieses Spielzeug, nur mit den restlichen. Das vom Hund als wichtigste beurteilte Spielzeug nimmst du immer aus, bis am Ende nur noch ein Spielzeug über ist. Dann hast du eine Reihenfolge der Prioritäten deines Hundes, die du für das Training nutzen kannst.

Wie wichtig ist Spielzeug für das Training wirklich?

Ich bin der Meinung, optimal ist ein Hund, der sich über Spielzeug und Leckerchen freut. Leckerchen lässt sich allerdings auch durch andere Motivationsmittel mit/beim Hundeführer ersetzen, bei Spielzeug ist das nicht immer möglich. Es gibt durchaus Übungen, wo es sinnvoll ist, wenn man den Hund auf Distanz bestätigen und überraschen kann. Bei diesen Übungen, dazu gehört, bspw. das „Schicken zum Kegel“ oder in „die Box“ sowie auch das „Abrufen mit Steh“ ist es nützlich, wenn man den Hund bestätigen kann, indem man ihm das Spielzeug zuwirft.  Und dazu ist dann noch ein Spielzeug notwendig, dass sich auch gut werfen lässt. Spieltaue, sind da meist zu leicht, für größere Entfernungen. Bälle lassen sich deutlich präziser werfen.

Wenn dein Hund sich aber gar nicht zum Spielen motivieren lässt und du keine Frikadellen oder Würstchen über den Platz schmeißen möchtest :-) heißt das nicht, dass du diese Übungen nicht trainieren kannst. Dann kann die Nutzung des Clickers eine gute Alternative für die Bestätigung auf Distanz sein oder du musst einfach eine andere Methode wählen. Vielleicht dauert es länger, aber vielleicht ist die alternative Methode auch genau die Richtige für dich und deinen Hund.

Mit dem Clicker belohnen?

Vielfach hört man, der Hunde würde mit dem Clicker belohnt werden. Aber das ist nicht ganz richtig. Richtig eingesetzt bestätigt der Click mit dem Clicker erwünschtes Verhalten. Die Bestätigung erfolgt aber in der Form, dass du dem Hund vorher beigebracht hast, nach dem Click kommt die Belohnung. Er kündigt also die Belohnung an und die Belohnung (das kann Futter, Spielzeug oder auch eine Streicheleinheit oder ein lobendes Wort vom Hundeführer sein) muss auf jeden Fall folgen! Du kannst nicht den Hund erst auf den Clicker konditionieren, ihm also beibringen, dass nach dem Click die Belohnung kommt und später nur noch klicken ohne Belohnung. Dann geht auch die Konditionierung auf Dauer verloren und der Click verliert für den Hund die Bedeutung.

Das schöne am Clicker ist aber, dass du ganz präzise dann klicken kannst, wenn der Hund das richtige Verhalten zeigt. Wenn du ohne Clilcker nur mit Spielzeug belohnst, kommt es recht häufig vor, dass der Hund schon keine korrekte Fußposition mehr zeigt, im Eifer und in Erwartung des Spielzeugs das Apportel fallen gelassen oder die Box verlassen hat, wenn du das Spielzeug aus der Tasche holst. In dieser Beziehung bin ich durchaus ein Clicker-Fan, wenngleich ich auch nicht alles mit Clicker trainiere.